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"Unzustellbar: zurück"

Das Leben ohne Briefkasten

Nicolas Buchalik

Wozu braucht man schon einen Briefkasten, wenn es keine Post gibt? Und wozu soll man Briefe schreiben, wenn es keinen Ort gibt an dem man sie einschmeißen kann? Wie ein Land ohne Briefe und Briefkästen funktioniert.

ECOBOL ist kein Virus
ECOBOL ist harmlos. Die Abkürzung steht dabei nicht für einen neuen Virus, sondern für die Post in Bolivien. „Empresa de Correos de Bolivia“ also sehr wörtlich übersetzt: Unternehmen für Post in Bolivien. Im Endeffekt entspricht das Unternehmen der hiesigen deutschen Post.
Keine Beschwerden über Postboten
Wer jetzt heimlich denkt: „Na hoffentlich funktioniert das da drüben besser, als hier zu Lande“, der wird beim nächsten Besuch einer Post jede Sekunde der Warterei genießen. Wie gerne würde sich die bolivianische Bevölkerung von chronisch schlecht gelaunten Postboten anschnauzen lassen. Wie schön wäre es für sie, wenn alle Pakete der Nachbarn am ersten Reihenhaus abgegeben werden, weil keiner Lust oder Zeit hat auch bei den anderen zu klingel. Aber genug des Zeterns - zurück nach Südamerika.
Aus Unzuverlässlichkeit wurde eine Schliessung
Im März dieses Jahres war es soweit. Ohne Ansage, aber mit viel Vorlauf, schloss ECOBOL seine Türen. Einfach so. Gut, mittlerweile haben sich die Menschen in Bolivien daran gewöhnen können, wie es ist quasi ohne Post zu leben. Die meisten Menschen meinen, dass es um die Jahrtausend Wende angefangen hat bergab zu gehen. Der Anfang vom Ende 18 Jahre später. Größte Unzulänglichkeit war die starke Unzuverlässlichkeit.
Weihnachtsgrüße im Oktober
Wenn Karten und Pakete überhaupt ankamen, konnte es schon einmal knapp sechs Monate dauern. So bekamen viele ihre Weihnachtsgrüße erst im Oktober. Da hätte man tatsächlich auch noch ein paar Wochen mehr warten können und niemandem wäre etwas aufgefallen. Kurz vor der Schließung im März sollen in den Räumen von ECOBOL mehr als 30 Tonnen nicht versendete Post herumgelegen sein.
Das offene Fenster als Briefkasten
Was für Auswirkungen das haben kann ist tatsächlich krass. Weil es keine Briefkästen mehr gibt müssen Paketboten teilweise mit Adressen wie „das rote Haus am Ende der Straße“ arbeiten und durch offene Fenster schreien, um herauszufinden ob sie den richtigen Abnehmer gefunden haben. Auch Postleitzahlen gibt es nicht. Rechnungen werden teilweise zusammengerollt und in Zäune vor die Häuser gesteckt. Nicht selten passiert, dass einem auf den Straßen Rechnungen für Gas oder Strom von unbekannten entgegenwehen.
Online-Shopping wird schwierig
Einkaufen im Internet ist zwar möglich, aber wer tatsächlich etwas haben will, das er nicht auch auf dem Markt um die Ecke kaufen kann, der bemüht sich darum viele Freunde zu haben, die viel reisen. Auch der Busfahrer dient teilweise als Paketbote. Aber wen wundert das, in einem Land in dem die meisten Häuser keine Nummern und die Straßen keine Namen haben. Dazu sind in den letzten 20 Jahren Häusern einfach aus dem nichts gewachsen.
Eine Lösung wird gesucht
Aber die bolivianische Gelassenheit lässt das Kalt. Keine Post, kein Problem. Dank Messangern wie Whats App gibt es Kommunikation über das Smartphone einzig das Problem mit den Paketen wird darüber nicht so schnell gelöst. Vielleicht ist die Agencia Nacional die Lösung des Problems. Die soll nämlich die gescheiterte ECOBOL ablösen. Und wer weiß, vielleicht gibt es dann doch bald Briefkästen und Postleitzahlen.