Insights 

Durch Afrika zum Tee mit der Queen

Die unglaubliche Reise von Südafrika bis in den Buckingham Palace

Nicolas Buchalik

„Ich bin zum Tee mit der Queen verabredetet“ - wie eine 80-Jährige mit dieser Behauptung durch Afrika fuhr und damit berüchtigte Ländergrenzen und Militärposten durchbrach.

Der Kopf ist 36 - der Körper 146
Was haben Sie sich vorgenommen für die Rente? Reisen vielleicht? Jetzt, wo endlich Zeit ist, will man die Welt erkunden, mit dem Luxus, den sich die jungen und wilden Backpacker nicht leisten können. Durch Afrika reisen mit einem 20 Jahre alten und klapprigen Toyota Conquest ohne Klimaanlage und den Annehmlichkeiten neuerer Autos steht dann wohl nicht mehr auf der Ruhestands-Bucket List. Doch für eine 80-Jährige aus Kapstadt war diese Reise keine Frage von simplen Zeitvertreib. Es war die politische Situation und viel mehr die extravaganten Auto-Vorlieben des damaligen Präsidenten Jacob Zuma die sie dazu trieben.
Es war ein ganz normaler Morgen...
Wie jeden Morgen lief das tägliche Radioprogramm in dem kleinen Vorort von Kapstadt. Ein außergewöhnliches Leben sieht anders aus und ein solcher Start in den Tag trifft wohl auf viele Rentner weltweit zu. Doch die Diskussion über den extravaganten Autogeschmack des damaligen Präsidenten an diesem Tag, veranlasste die Rentnerin zu einem bedeutenden Anruf bei der Radiostation. So ließ sie sich on Air zu der zu Beginn nicht ganz ernstgemeinten Aussage hinreißen, sie würde mit ihrem 20 Jahre alten Auto zum Tee mit der Queen nach London fahren.
Zwei alte Damen – ein Ziel
Neben einigen Aufklebern von Sponsoren erhielt die rüstige Abenteuerin immer wieder auch menschliche Unterstützung. Nach ihrem Start im Juni 2017 begleiteten sie ihre Kinder durch Zimbabwe und Malawi, sambische Schulmädchen lasen ihr vor, Trucker teilten Essen mit ihr und ließen sie an den Grenzen nach ganz vorne durchfahren. Und obwohl sie mittlerweile durchaus bekannt war, schlief sie oft in ihrem Zelt am Straßenrand. Ihr Körper allerdings wollte da nicht mitmachen.
Der Geist aber umso mehr und so schaffte sie es zum majestätischen Lake Malawi, zu den Victoria Fällen und Ländergrenzen, die in Afrika bekanntermaßen tückisch sein können, ließ sie wie nichts hinter sich. Und auf die Frage warum sie denn nach London reisen würde gab es die immer gleiche Antwort: Um mit der Queen einen Tee zu trinken. Und schon war der Pass gestempelt.
Ein Abenteuer mit Tiefgang
Ein fast Zusammenprall mit einem Elefanten, campen am aktiven Lavasee von Erta Ale in Äthiopien oder einfach nur alleine durch die Wüste fahren. Viele Dinge waren mit dem 80-jährigen Körper nicht mehr möglich, aber diese verpassten Ereignisse füllte Sie mit Begegnungen und Eindrücken ihres Kontinents. Dazu gehört auch, dass Frauen bis heute um Gleichheit kämpfen müssen. Und eine Frau die alleine durch Afrika reist ist für viele bis heute undenkbar. Sie aber schlief sogar mit sieben Männern zusammen in einem Raum um auf die Kennzeichen für Ägypten zu warten – ihre letzte Station in Afrika. Angekommen in Kairo nahm sie einen Flug nach Hause während ihr Auto sich auf den Weg nach Griechenland mit der Fähre machte. Von dort aus nahm sie ihre Reise auf durch Albanien, Montenegro, Kroatien, Österreich und Deutschland sowie den Niederlanden um schlussendlich in London anzukommen.

Der Tee mit der Queen fiel dann allerdings wegen einem Pferderennen aus. Zwar war es das „Royal Ascot“ aber einen kurzen Plausch mit der Queen hätte sich die Südafrikanerin nach ihrer langen Reise schon gewünscht.
Ein Ende nicht in Sicht
Wieso aufhören, wenn es gerade so schön ist? Deshalb entschloss sich die Weltenbummlerin auch mit dem Auto nach Italien zu fahren um dann von Tunesien aus wieder über den gesamten Kontinent nach Kapstadt zu fahren. Ein Ende ist da erstmal nicht in Sicht, aber wer will schon an das Ende denken, wenn man so viel Freiheit genießen kann.