Meilen gibt es leider keine
Bauchschmerzen - Und eine Landebahn so kurz wie eine Spucktüte
Ein Paar in Nepal – Gipfel, Tempel und Gefühle
Wie jemand mit Bauchweh haben wir uns verhalten, der auf der Website von Netdoktor liest, für welche Erkrankungen die Schmerzen mitunter stehen und sich eine Nacht quält mit der Gewissheit, mindestens an einem Magengeschwür zu leiden, wenn nicht gar an Darmkrebs. Was war geschehen?
Der Tenzing-Hillary-Airport
Wir haben vor unserem Flug in den Himalaya schlicht Lukla gegoogelt. Und dann gelesen und gelesen und gelesen. Der Tenzing-Hillary-Airport in Lukla gilt als einer der zehn gefährlichsten Flughäfen der Welt. Keine gute Idee, wenn man dann ins Flugzeug steigt – um nach Lukla zu fliegen.
Ganz schön blass – man könnte kalauern: leichenblass – sitzen wir am Domestic-Airport von Kathmandu. Die Nacht war kurz. Um fünf Uhr morgens mussten wir aufstehen, um rechtzeitig hier zu sein. Wären wir fit, könnten wir uns am unfassbaren Chaos vergnügen, wie die völlig überforderten Flughafen-Mitarbeiter die Trekking-Reisenden und Alpinisten hin und her dirigieren, willkürlich auf Flugzeuge verteilen und so Slot um Slot für den kurzen Flug nach Lukla.
Eine Landebahn, die kaum Fehler erlaubt.
Als einer der zehn gefährlichsten Flughäfen der Welt gilt der kleine Tenzing-Hillary-Airport. Die Landebahn wurde Anfang der 1960er in den Fels gestemmt und erst 2001 asphaltiert. Nur 457 Meter misst die Piste, die zudem ein Gefälle von bis zu 12 Prozent aufweist. Das kurze Asphaltband endet an beiden Seiten mit Herausforderungen: Aufsetzen muss der Pilot direkt hinter der Abbruchkante zu einer 600 Meter tiefen Schlucht, durch die der Dudh Kosi fließt, der weiß schäumende Milchfluss. Zum Stillstand kommen muss der Pilot vor der Felswand des Berges, an die sich das in 2850 Meter Höhe gelegene Lukla schmiegt. Eine Landebahn, die kaum Fehler erlaubt.

Nur vormittags können die Maschinen zwischen der Hauptstadt Nepals und dem Ort im Himalaya pendeln, dann ändert sich das Wetter – und die Landung wird zu gefährlich. Noch mehr als sonst.
Und schon sind wir beim anderen Grund für unsere Blässe. Am Abend noch hatte der Gastgeber unseres Hotels erzählt, was in den vergangenen Jahren alles passiert sei – in Lukla und auf dem Weg dorthin. Er erzählte von Unglücken, bei denen der Pilot zu tief einschwebte, die Maschine prallte gegen den Fels und stürzte in den Fluss. Er erzählte von Bremsversagen, das Flugzeug kam nicht rechtzeitig zum Stillstand und zerschellte am Berg.
Das Wetter muss dein Freund sein
Außer der extremen Piste erschweren die besonderen Bedingungen im Himalaya den Luftverkehr. Die Maschinen müssen zwischen bis zu 6.000 Meter hohen Bergen navigieren. Weil es sich nachmittags oft bewölkt oder gar zu regnen beginnt, wird nur vormittags geflogen. Starke Winde, Nebel und sehr schnell aufziehende Schlechtwetterzellen können den Flugbetrieb stark beeinträchtigen.
Immer wieder muss der Airport für Tage oder gar Wochen wegen schlechten Wetters gesperrt werden, tausende Touristen sitzen dann in Lukla fest. Manche machen sich verzweifelt auf den rund einwöchigen Fußmarsch nach Jiri, von wo aus es per Bus nach Kathmandu weiter geht. Doch, so unser Gastgeber, die eintägige Busfahrt zählt zu den gefährlichsten Nepals…
Spezielle Maschinen, spezielle Pilotenausbildung
Als wir ins Bett gingen, amüsierten wir uns noch über den Hotelier. Dann lasen wir im Internet über Lukla. Nur speziell ausgebildete Piloten mit so genannten STOL-Flugzeugen (Short Take-Off and Landing) dürfen den Airport anfliegen, meist eingesetzt werden Twin Otter und Do 228. Es sind alte Maschinen, die längst nicht mehr gebaut werden, die Versorgung mit Ersatzteilen ist schwierig. Und so vermutete man anfangs auch, dass technische Probleme die Ursache für den jüngsten Absturz waren. Ende September 2012 zerschellte eine Do 228 der Sita-Air kurz nach dem Start in Kathmandu auf dem Boden, alle 19 Insassen starben. Doch Untersuchungen ergaben, dass die Maschine mit einem Adler zusammen stieß, der Aufprall beschädigte das Triebwerk, zerstörte das Leitwerk. Wie ein Stein fiel die zweimotorige Maschine vom Himmel und brannte aus.
Ein majestätisches Risiko für den Luftverkehr
Vor ein paar Tagen sind wir am Fluss Bagmati entlang gefahren. Schlichtweg eine Kloake. Die Einwohner der Millionen-Stadt werfen ihren Müll einfach hinein, an manchen Uferabschnitten türmen sich Berge von Unrat. Kinder und Jugendliche suchen darin nach Verwertbarem. Es wimmelt von Ratten und Mäusen. Und so überrascht es nicht, dass unzählige Adler mit einer Spannweite von bis zu 1,50 Metern über dem Fluss kreisen.
„Au, Scheiße!“
Wir entdecken noch weitere Unfallberichte über Lukla im Netz. Eine Maschine hat zu weit hinten auf der Landebahn aufgesetzt und ist in den Fels gerast. Kein Passagier überlebte. Und wir entdecken sogar ein recht verstörendes Video, das offenbar ein deutscher Tourist mit seinem Smartphone aufgenommen hat. Ein Wolkenband liegt über der Schlucht vor dem Tenzing-Hillary-Airport, die Kamera sucht darin das Flugzeug, dessen Motoren näher kommen. Plötzlich ein Feuerball am rechten Bildrand, knapp unterhalb der Landebahn, ein lautes Krachen. Jemand ruft. „Au, Scheiße!“ Ende des Videos.
Man schläft nicht gut, wenn man um das Risiko des Fluges weiß. Und wenn man dann das Chaos am Domestic Airport in Kathmandu erlebt, wundert man sich, dass nicht noch mehr Flugzeuge abstürzen. So wie die Nepalesen Auto fahren, so verhalten sie sich auch im Terminal – es wird gedrängelt, gerufen, geschoben, gestritten. Som, unser Guide für die Trekking-Tour im Himalaya, hilft uns beim Gepäck und im Umgang mit dem Bodenpersonal. Die Sicherheitskontrollen sind so lasch, dass man alles mit an Bord bringen kann, was man mag.
Bergstraßen, Flusstäler, Schneegipfel.
Doch dann ist es wie so oft in Nepal: Der Flug startet mit einer Pünktlichkeit, die man sich bei manch europäischer Airline auch wünschen würde. Und obwohl die Twin Otter, in der wir sitzen, schon eine ziemlich betagte Gurke ist, funktioniert alles einwandfrei. Die Sonne scheint. Die Fernsicht ist großartig. Schon bald verliert der Flug all seinen Schrecken. Wir schauen aus dem Fenster, fotografieren, filmen: Bergstraßen, Flusstäler, Schneegipfel. Selbst die zwei Achterbahn-Momente, die es während des Fluges zu erleben gibt, genießen wir. Der erste ist die Überquerung eines mehr als 6.000 Meter hohen Bergsattels. Unsere Maschine fliegt tiefer als die Gipfel rund um den Pass. Der zweite ist eine scharfe Kurve, der ein Sturzflug folgt. Unter uns im Fels zeichnet sich ein winziges Recht ab. Die Landebahn.
Das also ist sie. Von oben nicht größer als eine Spucktüte. Vorne der Abhang. Hinten der Berg. Und erst als die Landebahn unerbittlich näher kommt, wird einem das Fatale dieser Situation bewusst – das Flugzeug kann nicht weiter vorn aufsetzen, nicht zu weit hinten. Der Pilot kann nicht durchstarten.
Und wir, ein Paar auf Reisen, erinnern uns auf den letzten Metern, wie ein ehemaliger Pilot erzählte, dass all seine Versuche mit dem Flightsimulator heil in Lukla aufzusetzen, scheiterten. Doch unsere Piloten agieren so souverän, dass der Ex-Pilot staunen würde (aber wahrscheinlich würde er nie in so eine alte Kiste einsteigen).
Die knallt jetzt hart auf den Boden. Die Bremsen greifen. Die Propeller heulen auf. Wir sind gelandet. Einfach so. Auf dem gefährlichsten Airport der Welt.
“Namaste”, sagt die Stewardess zu jedem Passagier, der die Maschine verlässt.
Und erst als ich unseren Rucksack vom Gepäckwägelchen vor dem Terminal hebe, sehe ich, was noch, was im Frachtraum der Maschine transportiert wurde: zwei Säcke Knoblauch. Soll gut sein gegen Höhenkrankheit. Willkommen im Himalaya.
Reiseinfos
Nepal als Tor zum Himalaya
Praktische Reiseinfos
Das Königreich Nepal mit seinen atemberaubenden Landschaften, uralten Tempeln und Trekkingrouten, die weltweit ihresgleichen suchen, ist ein Land, das seit jeher die Fantasie der Menschen in der westlichen Welt beflügelt hat. Nepal ist ein armes Land, aber gleichzeitig ein Fest für Augen und Sinne und ein Eldorado für Kunstliebhaber. Dabei ist reich an Freundlichkeit und Gastfreundschaft und dank einer extrem niedrigen Kriminalität sehr einfach und sicher zu bereisen.Übernachtung
Die Unterkünfte in Nepal reichen von einfachen Lodges, welche sie während des Trekkings im Gebirge vorfinden, bishin zu erstklassigen Hotels. In den Städten gibt es mehrere Hotels, die in ihrer Ausstattung jedoch große Unterschiede aufweisen - daher lohnt sich die Beratung durch Reiseexperten.Beste Reisezeit
Wer eine Nepalreise plant, darf das Klima nicht außer Acht lassen. Die trockene Jahreszeit beginnt in den Monaten Oktober und November, die damit in vielerlei Hinsicht als die besten Reisemonate zu bezeichnen sind: Das Wetter ist mild, die Luft rein, die Sicht wunderbar und nach den Monsunregen fängt es überall zu wachsen und zu blühen an. Die Zeit zwischen Februar und April am Ende der Trockenzeit ist die zweitbeste Variante: Es ist zwar oft dunstig, doch die Temperaturen sind angenehm und viele Wildblumen stehen in Blüte. Im Dezember und Januar sind Klima und Sicht gut, doch nachts kann es grimmig kalt werden.Weitere Infos zu Indischer Subkontinent
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