Mit viel Frauenpower gegen die Unterdrückung
Bolivien | Insights

Bolivianische Frauen - die härtesten der Welt

Cholita Wrestlerinnen für Frauenrechte

Geschrieben von

Nicolas Buchalik

13.06.2018

Irgendwann, Mitte der 2.000 Jahre in Bolivien, standen sie auf einmal im Ring. Traditionell gekleidete Frauen genannt: Cholitas. Ihr phänomenaler Aufstieg in den Wrestling Olymp kennt seitdem kein Ende.
Bei den Schaukämpfen geht es hart zur Sache. Die Frauen geben alles für ihr Publikum.

Eine Geschichte über Anerkennung

Es begann als soziales Projekt für Opfer von häuslicher Gewalt. Beim Ringen und Wrestling sollten sie ihre angestaute Wut frei ablassen können. Mittlerweile ist es viel mehr als das. Es ist eine der größten Attraktionen, die La Paz zu bieten hat und wahrscheinlich auch die bizarrste. Und ihr größter Name ist: Carmen Rosa. Sie ist die berüchtigtste und erfolgreichste Wrestlerin Boliviens.

Indigene Bolivianer wurden, seit spanische Konquistadoren das Land erstmalig entdeckten, benachteiligt und diskriminiert. Noch schlimmer erging es den Cholitas. Sie waren zu allem Überfluss auch noch aufgrund ihres Geschlechts heftigen Anfeindungen ausgesetzt. Dies ging sogar soweit, dass sich die einheimischen Frauen nicht mal mehr mit ihrer traditionellen Kleidung zeigen wollten, um Erniedrigungen aus dem Weg zu gehen. Heutzutage ist das glücklicherweise nicht nur anders, sondern genau ins Gegenteilige gekehrt. Mit Freude und Stolz tragen die Frauen ihre Kleidung und das nicht nur im Ring. Dazu beigetragen hat auch die Stärkung der Rechte der einheimischen Bevölkerung unter Präsident Evo Morales.

Die Aktionen im Ring werden hart trainiert und obwohl man sich nicht wirklich verprügelt, kommt es immer wieder zu Verletzungen

Frau gegen Frau aber zusammen gegen dem Machismo

Was einheimische Frauen in Bolivien in den letzten Jahrhunderten und auch heutzutage noch erleben müssen ist unglaublich. In einer Welt, in der schlecht bis gar nicht ausgebildete junge Frauen abhängig sind von ihren Partnern, gibt es für sie keine Gerechtigkeit. Cholitas werden teilweise auf der Straße beleidigt, in Krankenhäusern wie Dreck behandelt und es wird ihnen Tag für Tag gezeigt wie wenig sie Wert sind. Dagegen kämpfen sie an. Die Wrestlerinnen von La Paz. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht nur können sich diese Frauen selbst verteidigen. Sie zeigen den Männern im Land wo der Hammer oder auch mal der Klappstuhl hängt, mit dem sie sich im Ring teilweise verprügeln.

Natürlich wollen sich die Damen nie wirklich verletzten, wobei das bei diesem Sport nicht auszuschließen ist. Die Gewalt und Erniedrigung seitens einer stark männlich geprägten Gesellschaft ist der wahre Feind und der wird mit allen Mitteln bekämpft. Die Shows tragen in erheblichem Maße dazu bei, dass Cholitas Anerkennung erreichen, sich frei bewegen und äußern dürfen. Der Kampf gegen Jahrhunderte der Unterdrückung hat endlich begonnen für die Frauen Boliviens und geführt wird er von den nimmermüden Frauen in ihren traditionellen Kleidern den Polleras. Und auch wenn La Campeona Rosa Carmen mit ihrem Gürtel der Champions Kampf um Kampf gewinnt, sind die wahren Sieger die Cholitas Boliviens.