Perito Moreno Glacier
Argentinien, Chile | Insights

Am Ende der Welt warten Pinguine

Ein Reiseguide durch Patagonien

Geschrieben von
Marie-Theres Rüttiger

2018-12-12

Patagonien – am südlichsten Ende Amerikas - klingt wie ein unwirtlicher Ort: Menschenleere, karge Pampa, weite Strecken, unbeständiges Wetter – aber der Besuch ist es trotzdem allemal wert! Denn der Süden von Argentinien und Chile ist vor allem für Naturliebhaber und Abenteurer das perfekte Reiseziel für eine Rundreise.

Von Buenos Aires bis Feuerland

Die klassischste Route durch Patagonien verläuft von Buenos Aires über Puerto Madryn nahe der Halbinsel Valdes bis zur südlichsten Spitze Ushuaia wieder hinauf zum Nationalpark Los Glaciares und weiter nördlich nach Bariloche. Bariloche eignet ist nicht nur wegen der guten Verkehrsanbindung der perfekte Start- oder Zielort einer Patagonien-Rundreise, sondern auch wegen der traumhaften Seenlandschaft. Aber auch im Winter ist die Gegend spannend: Hier liegt das größte Skigebiet Südamerikas.

Das etwa 3000 km lange Patagonien ist landschaftlich so vielfältig wie es groß ist: Die mächtigen Anden durchziehen das Gebiet, das im Osten vom Atlantik begrenzt wird und in Feuerland im Süden endet. Dort liegt auch die südlichste Stadt der Erde Ushuaia, der Vorhof zur Antarktis. Dort kann man nahe der Magellanstraße Pinguine und Wale in den Fjorden beobachten. Reisende können sich den Stempel „Ende der Welt“ als Erinnerung im Reisepass verewigen lassen.

Zentralpatagonien ist von einer Wildnis von Regenwäldern und Küstenebenen bedeckt, während Nordpatagonien mit Kobaltseen und üppigen Tälern des Lakes District und Araucania verstreut ist. Es besteht aus so verschiedenen Regionen, jede mit ihrer eigenen einzigartigen Schönheit.

Patagonien besteht aus verschiedenen Provinzen der beiden Länder Argentinien und Chile, ist aber nicht fest abgegrenzt.
Patagonien besteht aus verschiedenen Provinzen der beiden Länder Argentinien und Chile, ist aber nicht fest abgegrenzt.

Gletscher, Vulkane und die Atlantikküste

Landschaftlich am berühmtesten ist wohl der Perito Moreno Gletscher im Los Glaciares Nationalpark, der nur ein paar Autostunden von El Chaltén – der Wanderhauptstadt Argentiniens - entfernt liegt. Der Gletscher kriecht täglich bis zu zwei Meter vorwärts und gebirggroße Eisberge kalben in den See. Er ist der einzige Gletscher der Welt, an den man so leicht, so nah herankommen kann. Perito Moreno ist über Holzstehe erreichbar und bietet atemberaubende Ausblicke. Es werden sogar Gletscherwanderungen angeboten.

Die Gletscherlandschaft Los Glaciares in Argentinien an der Grenze Chile ist weltweit bekannt und zählt seit 1981 zum UNESCO-Weltkukturerbe. 47 Gletscher bilden die Eiskappe der naheliegenden Anden. Die größte Eiskappe außerhalb der Antarktis und Grönlands! Neben dem Perito Moreno, sind die Gletscher Upsala und Viedma die größten im Nationalpark.

Wanderer können vier verschiedene Rundwege von der am Lago Argentino gelegenen Kleinstadt El Calafate für Touren nutzen. Am Upsala-Arm des Lago Argentino liegt die Bucht Bahía Onelli, die einen Panoramablick auf den Zusammenfluss mehrerer Gletscher bietet.

Aber auch der Nationalpark Torres del Paine im chilenischen Teil Patagoniens bietet Naturfreunden viele Highlights: Felsformationen wechseln sich hier mit Lagunen und Wäldern ab. Hier befindet sich das W – die prominenteste Trekking-Route Patagoniens.

Patagonien
Torres del Paine: blau leuchtende Eisberge, goldene Pampas und seltene Tiere.

Schroff schöne Weiten und wilde Fauna

Die Region im äußersten Süden Chiles und Argentiniens ist vor allen wegen der unberührten und rauen Bergwelt bei Trekkingfreunden aus aller Welt beliebt. Zu Fuß kann man auf ausgeschilderten Wegen in den zahlreichen Nationalparks die Schönheit der schroffen Natur mit Ihren Gletschern und Seen entdecken.

Nicht nur die Landschaft Patagoniens ist einzigartig, auch die Tierwelt – zu Land, zu Luft und zu Wasser. Das lamaähnliche Guanako zum Beispiel oder der Nandu – ein flugunfähiger Vogel - sowie der Andenschakal, der patagonische Skunk, der Südandenhirsch und der Andenkondor.

Die Fjorde bieten Südlichen Glattwalen oder Orcas eine Heimat, die man mit etwas Glück an der Wasseroberfläche ausmachen kann. Auch Delfine und See-Elefanten und die possierlichen Magellan-Pinguine tummeln sich hier. Die Valdes-Halbinsel sollte deshalb auf jeden Fall eine Station einer jeden Rundreise durch Patagonien sein.

Die Entfernungen sind groß, deshalb empfiehlt sich bei einer geplanten Rundreise ein Mietwagen, auch wenn es Buslinien gibt, die von Buenos Aires oder Cordoba aus die wichtigsten Touristenziele anfahren. Am einfachsten reist man über die geteerte Ruta Nacional 3 an, über die man alle patagonischen Ziele via Auto erreicht. Es bietet sich aber wegen der großen Distanzen auch an zu fliegen. Patagonien eignet sich aber auch bestens für einen alternativen, umweltfreundlichen Modus der Fortbewegung wie Trekking, Reiten, Wandern oder Radfahren.
Die Valdés-Halbinsel ist ein bedeutendes Naturreservat für beeindruckende Wassertiere: Südliche Glattwale, Magellanpinguine, Orcas, Delfine und See-Elefanten.

Dem kalten europäischen Winter entfliehen

Die beste Reisezeit für Patagonien ist wohl im südamerikanischen Sommer zwischen November und Februar. Selbst im niederschlagsreichen Süden ist dann mit weniger Regen und höheren Temperaturen zu rechnen. Dann sind allerdings die Hotels auch am teuersten. Für alle, die also etwas preisgünstiger reisen möchten, ist auch der Frühling und der Herbst gerade für den Norden eine gute Alternative, um Patagonien zu entdecken.

Für den Norden Patagoniens ist die beste Reisezeit von Oktober bis April. In dieser Zeit regnet es hier deutlich weniger und die Temperaturen sind mit etwa 20 Grad Celsius am Tag milder. Nachts können die Temperaturen aber auch zur besten Reisezeit auf die Null-Grad-Grenze fallen. Für alle Skihasen und alle, die es ohnehin kalt mögen, wäre der Juli die beste Zeit für eine Reise an das südliche Ende der Welt.

Der argentinische Teil liegt im regengeschützten Teil der Anden. Wolken vom Pazifik kommen nicht über das Gebirge und deshalb ist es dort sehr trocken, im Süden muss aber auch im Sommer mit Regentagen gerechnet werden. Wichtig zu jeder Zeit ist aber, sich für alle Wetterbedingungen zu rüsten, um die raue Schönheit Patagoniens genießen zu können.

Patagonien - ein rauer Sehnsuchtsort am Ende Welt für Entdecker

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