Dem Sonnenuntergang entgegen und der Hitze davon
Namibia | Insights

250 Kilometer durch die Wüste: Der härteste Marathon der Welt

250 Kilometer durch die Namib-Wüste

Geschrieben von

Florian Gabler

20.07.2018

Der Desert-Ultra-Marathon in der Namib-Wüste führt durch tiefen Wüstensand, ausgetrocknete Flussbetten und karges Buschland – 250 Kilometer am Limit!
Wo die einen Wandern, laufen andere einen Marathon.

Bis zum Limit und darüber hinaus: der Ultra-Marathon in der Namib-Wüste

Heißer Wüstensand, ausgetrocknete Flussbetten und extreme Temperaturen: Der Marathon durch die Namib-Wüste ist eine Herausforderung am Limit des Möglichen. Die Namib-Wüste ist eine der ältesten Wüsten der Welt und erstreckt sich über 95.000km² an der afrikanischen Atlantikküste entlang. Seit 50 Mio Jahren liegt dieser ausgetrocknete Landstrich Namibias unter dem weiten Himmel Afrikas. Brütende Hitze bei Tagestemperaturen von 30°C bis 45°C, Staubwolken voller feinem, gelben Sand und in der Ferne die dunklen Felsen der Spitzkoppe – stellen Sie sich vor, in diesem Szenario einen 250km langen Marathon zu laufen.

Schwerstarbeit als Sport - ein Marathon durch die Wüste

Das Rennen kann beginnen

Fünf Etappen und die Weite Afrikas liegen vor Ihnen und eine Herausforderung, die jeden an die Grenzen seines Willens und seiner Kraft bringt. Ungefähr 20 Extremsportler nehmen jährlich an diesem Wüstenrennen teil. Sie stehen als kleiner Fleck in der Landschaft zwischen Sanddünen und vertrocknetem Buschland und lassen die imposante Macht der Natur auf sich wirken, bevor Sie – kleine Staubwolken hinter sich herziehend – in Richtung der hoch aufragenden Felsen loslaufen. Das Rennen hat begonnen.

Sonnenuntergänge im Marsland

In der Namib-Wüste können Sie Sonnenuntergänge erleben, welche die wie Marsland erscheinende Landschaft in eine Welt verwandeln, in der Rosa- und Goldtöne die vorherrschenden Farben sind. Niemand würde sich während dieses täglichen Schauspiels wundern, wenn ein Fabelwesen hinter dem nächsten goldenen Busch hervorgaloppiert käme. Eventuell würde man es sogar um einen Ritt bis zur nächsten Station bitten.

Ohne Erbamen. Wer sich hier verläuft spielt mit dem Tod

Extremsport Wüstenrennen

Die Hitze des Tages sinkt in den Abendstunden drastisch auf 5°C bis 10°C ab. Der extreme Temperaturunterschied ist nicht zu unterschätzen – doch zumindest Fata Morganas im Hitzeflimmern sind nicht mehr zu befürchten. Möglicherweise werden Sie einige Abschnitte in der Nacht zurücklegen, mit einer Kopflampe auf dem Haupt, die die markierte Route beleuchtet und einem Sternenmeer über sich, das von keinerlei Lichteinflüssen gemindert wird.

Die wichtigste Regel: Trinke genug Wasser

Herausforderungen des Ultra-Marathons

Neben den extremen Temperaturschwankungen und den herausfordernden Auf- und Abstiegen rund um die Spitzkoppe hält dieser Mammutmarathon eine weitere Herausforderung bereit: Die gesamte Ausrüstung muss selbst getragen werden. Die Teilnehmenden sind zudem für ihre eigene Versorgung auf der Rennstrecke verantwortlich. Das Equipment sollte neben der Verpflegung auch ein Erste-Hilfe-Set und ein Minimum von 2,5l Wasser, das an den Check-Points zwischen den Stationen wieder aufgefüllt werden kann, enthalten. So erreicht der Rucksack schnell ein Gewicht von bis zu 10kg. An den fünf Stationen werden Campingplätze errichtet, die in den letzten Jahren auch schon mal von Elefanten besucht wurden.

Zeit um die "Natur" zu genießen gibt es während dem Marathon keine

Vom Basecamp zum roten Trikot

Das Basecamp befindet sich mitten in den bis zu 2km hohen zerklüfteten Felsen des Spitzkoppe-Gebirges. Das Rennen beginnt am Fuß des sogenannten namibischen Matterhorns. Nach 50km unter der unerbittlich heißen, afrikanischen Sonne des ersten Tages wird das Brandbergmassiv, die höchste Erhebung in der Namib-Wüste erreicht. Die nächste Etappe führt Sie 55km weit über ausgetrocknete Flussbetten, tiefen Sand und geröllige Bergwege. Mit dem Ende des nächsten Abschnitts und Tag drei des Rennens ist die Hälfte des Marathons gemeistert. An der vierten und vorletzten Station bekommt der bislang schnellste Teilnehmer das Red Jersey, das rote Trikot.

Verloren in der Wüste? Bisher wurden alle Teilnehmer wieder gefunden, wenn auch teilweise stark dehydriert.

Verloren in der Wüste

In der Regel schaffen es nur ungefähr die Hälfte der Sportler, das komplette Rennen zu laufen. Der letzte Abschnitt des Ultra-Marathons führt fast 100km durch die Wüste und ist die größte Hürde. Ab und an kommt es vor, dass sich Teilnehmer verlaufen. Dann wird eine weitflächige Suche per Helikopter in die Wege geleitet. Der im Marathonjahr 2013 verloren gegangene Österreicher Dennis Grüne konnte deutlich dehydriert gerettet werden. Auch der erfahrene deutsche Extremläufer Rafael Fuchsgruber kam auf der ersten Etappe vom markierten Weg ab, schaffte es aber trotzdem das Rennen zu gewinnen – und das im Alter von 52 Jahren.