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Indonesien / Malaysia | Insights

Besuch bei den Orang-Utans

Spannende Begegnungen im Regenwald von Borneo

Geschrieben von

Christoph Karrasch

09.02.2020

Die Borneo Orang-Utans sind die einstigen Könige des Regenwalds. Doch durch die Zerstörung ihres Lebensraums sind die Orang-Utans gefährdet. Seit 1900 schrumpfte der Bestand um 91 Prozent.

Borneo & die Orang-Utans

Orang-Utans in Malaysia und Indonesien zählen zu den gefährdetsten Tiere der Welt. Mehr noch als alle anderen Primaten sind sie auf den Erhalt ihres Lebensraums angewiesen. Sie suchen sich ihre überwiegend pflanzliche Nahrung weit oben in den Baumkronen und verzehren Früchte sowie Samen, Blätter, Rinde und junge Triebe, seltener auch Eier, kleine Wirbeltiere und Insekten.

Der Orang-Utan ist ein Primat und somit sehr eng mit uns Menschen verwandt. Diese Menschenaffen sind die größten und schwersten, fast ständig auf Bäumen lebenden Tiere der Erde. Ein Männchen erreicht ein Gewicht von bis zu 100 Kilogramm, die Weibchen wiegen nur etwa die Hälfte. Ihre starken und langen Arme machen sie zu exzellenten Kletterern.

Auf der weltweit drittgrößten Insel befinden sich die malaysischen Bundesstaaten Sabah und Sarawak sowie das Sultanat Brunei.

Das Klima auf Borneo kommt den Bedürfnissen der Orang-Utans entgegen. Auf der Insel herrschen ganzjährig tropische Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Der rothaarige Borneo Orang-Utan lebt nur auf der Insel Borneo.

Ein beachtlicher Teil Borneos gehört zu Indonesien. Eine weitere Unterart des Orang-Utans bewohnt Sumatra. Während die rund 54000 Tiere auf Borneo stark gefährdet sind, gibt es auf Sumatra lediglich noch 14000 Individuen.

Orang-Utans werden im Volksmund auch als "Waldmenschen" bezeichnet.

Warum müssen die Orang-Utans geschützt werden?

Die Orang-Utans auf Borneo sind perfekt an das Leben im Regenwald angepasst. Sie finden nur dort ihre Nahrung und ein geeignetes Klima. Doch seit Jahrzehnten schrumpft ihr Lebensraum kontinuierlich. Der Regenwald wird bewusst zerstört. Er muss Plantagen weichen, die unter anderem der Palmölproduktion dienen. Den Orang-Utans bringt das wenig, denn auf den Plantagen können sie nicht überleben. Von dort werden sie außerdem häufig verjagt oder getötet. Neben dem Palmöl zerstören die Papierindustrie und die Nachfrage nach Tropenhölzern die letzten Rückzugsorte der großen Menschenaffen.

Immer mehr Regenwald muss den Plantagen der Palmöl-Industrie weichen.

In Indonesien ist die Situation noch schlimmer als in Malaysia. Als Kohle-Exporteur fallen dem Bergbau gigantische Waldflächen zum Opfer. Obwohl gesetzlich verboten, ist es dort immer noch üblich, die Orang-Utans zu jagen oder zu fangen und als Haustiere oder für den sexuellen Missbrauch in Bordellen zu verkaufen.

Zudem vermehren sich die größten Affen auf Borneo nur sehr langsam. Eine Orang-Utan-Mutter bringt nach einer rund achtmonatigen Tragzeit meist ein Junges zur Welt. Die beiden bleiben viele Jahre zusammen, so dass zwischen zwei Geburten oft bis zu sieben Jahre vergehen. Der permanente Körperkontakt ist für das Baby sehr wichtig. Doch leider ist es in wohlhabenden Kreisen im südostasiatischen Raum chic, ein Orang-Utan-Baby als Haustier zu halten. Gewaltsam werden Mutter und Kind voneinander getrennt.

Vor allem die Entwaldung für Plantagen oder Holzabbau zerstört den Lebensraum der Orang-Utans.

Wer schützt die Orang Utans? Kann ich sie besuchen?

Es gibt auf Borneo spezielle Schutzprogramme für Orang-Utans. Die Borneo Orang-Utan Survival Foundation, kurz BOSF genannt, existiert seit dem Jahr 1991. Die vom Forstexperten Dr. Willi Smits und Peter Karsono geschaffene Initiative sieht es als ihre Aufgabe an, die letzten großen Menschenaffen Südostasiens zu schützen.

Im immergrünen Regenwald Borneos leben versteckt Elefanten, Nasenaffen und Orang Utans.

Der BOSF ist unter anderem für folgende Tätigkeiten verantwortlich:

  • Schutz des Regenwalds für den Orang-Utan und die anderen Tiere auf Borneo

  • Durchführung von Feuerschutz, Wassermanagement sowie Kultivierungs- und Aufforstungsaktivitäten

  • Überwachung und Kontrolle des Regenwalds und somit Verhinderung illegalen Holzeinschlags und Wilderei

  • alternative Einkommensquellen erschließen und die lokale Bevölkerung aufklären

  • Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit

  • Versorgung und anschließende Rehabilitation und Auswilderung der Orang-Utans

In den Rettungsstationen erlernen die Orang-Utans langsam wieder Fähikeiten für ein Leben in der Wildnis.

Die indonesische Foundation betreibt unter anderem zwei Orang-Utan Rettungsstationen für das größte Primatenschutzprojekt der Welt und kooperiert dabei mit dem indonesischen Forstministerium. Hier hast du die Gelegenheit, auf Borneo Orang-Utans zu besuchen.

Die beste Reisezeit für Borneo ist in den europäischen Sommermonaten. Je nach Region musst du zwischen Oktober und März vermehrt mit Niederschlägen rechnen.

In der Waldschule und im Waldkindergarten lernen die Jungen das, was sie sonst von ihrer Mutter gelernt hätten.

In den zwei Rettungsstationen kümmern sich die um den Naturschutz auf Borneo bemühten Mitarbeiter liebevoll um verwaiste, kranke oder verletzte Orang-Utans.

Nach einer bis zu achtjährigen Vorbereitungs- und Lernphase sind die Affen fit für das Leben im Regenwald auf Borneo. Um die rehabilitierten Orang-Utans wieder auszuwildern, erwarb der BOS die Nutzungsrechte an den Regenwaldgebieten Kehje Sewen im Osten Kalimantans sowie an Batikap und Bukit in Zentralkalimantan. Bis zum Jahr 2014 fanden 140 Borneo Orang-Utans zurück in die Freiheit.

Das Öl aus Palmsamen ist das billigste der Welt und wird deshalb in so vielen Lebensmitteln verarbeitet.

Wie kann ich zum Schutz der Orang-Utans beitragen?

Die Hilfe für Orang-Utans ist sehr wichtig für den Naturschutz in Malaysia und Indonesien. Die Ranger freuen sich deshalb über eine Spende bei deinem Besuch. Oder du bewirbst dich als Volunteer. Du bezahlst für ein Programm inklusive Verpflegung und Unterkunft. Ein Großteil des Geldes kommt den Orang-Utans zugute. Außerdem hilfst du aktiv mit, säuberst die Gehege, baust Zäune und pflanzt Bäume. Oder du übernimmst eine Patenschaft für einen in der Auffangstation lebenden Orang-Utan.

Aktiv zum Schutz des Regenwalds beitragen kannst du aber nicht nur auf der Insel Borneo in Malaysia, Brunei und Indonesien oder anderswo in der tropischen Welt, sondern direkt bei dir zu Hause. Vermeide zum Beispiel den Kauf von Produkten mit Palmöl und verzichte bewusst auf Tropenholzmöbel.