Bat Curry
Seychellen | Insights

Seychellische Foodtrends: Knusprige Vampirflügel auf Duftreis

Gewöhnungsbedürftige Foodtrends auf den Seychellen

Geschrieben von
Laura Preising

2018-03-28

Das Inselparadies der Seychellen zaubert Gerichte aus einer bunten Inselküche. Besonders beliebt und gleichermaßen kurios: Das Fledermauscurry.

Kuriositäten

Das Inselparadies der Seychellen ist eine kunterbunte Mischung aus zahlreichen Kulturellen Einflüssen: unikale Stoffe sowie Schnitzereien ebenso wie die Musik, die sich gerne als Ohrwurm im Gedächtnis verankert. Dazu kommen einzigartig delikate Gerichte aus einer bunten Inselküche. Besonders beliebt und gleichermaßen kurios: Das Fledermauscurry.

Kokosnuss in allen Variationen

Zwei Palmenarten wachsen auf den Seychellen, von denen die bekannte Version mächtige Kokosnüsse liefert. Sind sie noch jung, also grün, dann lässt sich das geleeartige Fruchtfleisch als leckeres Dessert und der Saft als erfrischendes, energiereiches und entgiftendes Getränk genießen. Aber Achtung, so lecker das auch ist – zu viel davon kann die Verdauung übermäßig anregen. Kokosnuss gibt es auch in Form von Kuchen. Der ist allerdings eine Kalorienbombe, denn Kokosöl ist in den baumgereiften Früchten reichlich enthalten. Abends kosten Sie cremige, samtweiche Cocktails, in denen das Aroma der Riesennuss zum unvergesslichen Geschmackserlebnis wird.
Kokosnuss
Frische Kokosnuss

Frisch geernteter Palmwein

Darüber hinaus wird das Nussfleisch der Coco Rouge, der ausgereiften, dunkel orange leuchtenden Nüsse, gerne in Speisen verwendet. Eher selten sind Palmenherzen von ganz jungen Pflanzen zu finden, die als Delikatesse gelten. Wird der Fruchtstock angeschnitten, tropft ein brauner Saft mit rund 5% Alkohol heraus. Der wird aufbereitet, gekeltert und ergibt so einen trinkbaren, trockenen Palmwein.

Verbotene Früchte

Verboten ist der Verzehr von Früchten der Coco de Mer, der Seychellenpalme. Die als stark gefährdet eingestufte Palmenart wächst ausschließlich auf den Inseln Praslin und Curieuse. Nur zu besonderen Festen darf die Frucht mit dem weltweit größten Samen aller Pflanzen verzehrt werden. Grund dafür ist der Rückgang des Bestandes auf derzeit kaum 30% und die Tatsache, dass diese Palmen rund sieben Jahre benötigen, um nur wenige Früchte mit ca. 50cm langen Samen reifen zu lassen.

Frittierte Brotfrucht

Allgegenwärtig sind Köstlichkeiten aus der Brotfrucht. Brotfruchtbäume finden sich überall auf den Inseln, weshalb die schmackhafte Zutat zum Grundnahrungsmittel avancierte. Als Suppe oder als leicht gesalzene Brotfruchtchips frisch in Kokosöl frittiert sind sie eine Versuchung, der niemand widerstehen kann. Außergewöhnlich ist nicht nur der Geschmack, sondern auch die Zubereitungsweise von Brotfruchtpüree. Die Delikatesse wird nicht gekocht – sie wird mit Curry, Butter und etwas Hühnerbrühe im Ofen gebacken und anschließend püriert.
Breadfruit
Eine aufgeschnittene Brotbaumfrucht

Essen frisch aus dem Netz

Wenn Sie über einen der zahlreichen Märkte schlendern, wird Sie die Auswahl und Qualität an Meeresfrüchten begeistern. Vom Red Snapper über Muscheln bis hin zu gelegentlich verfügbaren Langusten ist das Angebot netzfrisch. Zubereitet auf dem Grill oder in einem aromatischen Sud mit Ingwer, Knoblauch, Chili und einem Hauch Limone überzeugen diese Leckereien selbst Strandurlauber, die ansonsten Fleisch bevorzugen.

Tentakeln mit Hai-Chutney

Eines der beliebtesten Gerichte ist das leichte Oktopus-Curry – auch bei den Insulanern. Etwas exotischer sind die Speisen mit Hai. Da dessen Fleisch einen strengen, intensiven Geschmack hat, werden Haifischsteaks mindestens zwei Tage in Öl und aromatischen Kräutern mariniert. Für das exotische Hai-Chutney kommt das Fleisch in den Kochtopf. Ist es gar, wird es püriert und dann mit Bilimbi, Limone sowie Zwiebeln und Kurkuma gewürzt. Insbesondere an Imbissständen wird als Ersatz für Hai gern Trockenfisch verwendet, weil der einen ähnlich intensiven Fischgeschmack besitzt.
Octopus Curry
Curry ist allseits beliebt. Die Variante mit Octopus ist etwas gewöhnungsbedürftig.

Rauchig mit einem Tropfen Limone

Zudem sind die Seychellen eine der wenigen Inseln im asiatisch-afrikanischen Bereich, auf denen Räucheröfen eine lange Tradition haben. Schwertfisch, Marlin und wenige andere Arten kommen in den Rauch, denn generell sind die Fische eigentlich zu mager. Die Späne von Kokospalmen besorgen ein unterstützendes Aroma. Ofenwarm, nur mit einem Tropfen Limone entstehen Gourmeterlebnisse der Extraklasse.
Geräucherte Makrele
Geräucherte Makrele

Fledermauscurry aus Zeiten des Sklavenhandels

Aus der unsäglichen Epoche des Sklavenhandels stammt eine Rezeptur, die sich bis heute großer Beleibtheit erfreut – Bat Curry! Die sich von Früchten ernährenden Fledermäuse der Seychellen kommen in großen Schwärmen vor und sind keineswegs artgefährdet. Sie werden mit hauchfeinen Netzen gefangen. Die inseltypische Spezialität gibt es nicht in jedem Restaurant, denn die Zubereitung ist aufwendig und verlangt Erfahrung.
Fledermäuse bekommt man normalerweise nicht einmal zu Gesicht. Hier werden Sie gegessen.
Fledermäuse verstecken sich normalerweise im Dunkeln. Hier landen Sie auf dem Teller.

Ein ganz besonderer Geschmack

Zuerst müssen etliche unbekömmliche Drüsen entfernt werden. Das gehäutete Tier kommt danach für Tage in Essig in den Kühlschrank. Gelegentlich gegrillt, meist aber als Fledermaus-Curry serviert, ist selbst der Verzehr eine Herausforderung. Die auch als Flying Fox bekannten Tiere sind voller teils winziger Knochen. Oft wird behauptet, die Fruchtfledermaus würde wie Hühnchen schmecken. Das ist ganz sicher falsch, denn der Geschmack ist eigen, extravagant und lässt sich mit keinem anderen Fleisch vergleichen.

Marie Antoinettes Fledermaus-Ravioli

Eines der berühmtesten Restaurants ist das Marie Antoinette auf Mahé, in dem Ihnen traditionelles Fledermaus-Curry auf Vorbestellung serviert wird. Außerdem wird die kreolische Spezialität an vielen Imbissständen angeboten. Haben Sie Ihre Vorliebe für die fliegenden Füchse entdeckt, sollten Sie im kreolischen Restaurant La Plaine St. Andre auf Mahé die exquisiten Fledermaus-Ravioli kosten.