LK_flowers
Sri Lanka | Insights

Tempel, Tee & Tradition: Das Kulturelle Dreieck

5 Hotspots und interessante Sehenswürdigkeiten im Kulturdreieck Sri Lankas

Geschrieben von

Alice Baumann

06.02.2019

Sri Lanka zieht viele Urlauber aufgrund ihrer traumhaften Strände, einzigartigen Tauchreviere und atemberaubenden Surfspots an. Doch auch für Kultur-Enthusiasten hat die Insel einiges zu bieten. Insbesondere im Kulturdreieck im Landesinneren des Landes finden Kultur und Kunstbegeisterte prunkvolle Tempelanlagen, UNESCO Weltkulturerbestätten sowie faszinierende Ruinenstätten.

Das alte Königsland

Obwohl Sri Lanka von der Gesamtfläche her kleiner ist als Bayern, wimmelt es auf der Insel von kulturellen Highlights und Sehenswürdigkeiten wie in kaum einem anderen Land von solch überschaubarer Größe. Die Jahrtausende alte Geschichte hat eine Vielzahl vor allem an religiösen Stätten hervorgebracht, für die es sich lohnt, sich reichlich Zeit zu nehmen.Sri Lanka ist allgemein kein besonders attraktives Ziel für Partyfans wie beispielsweise Thailand oder Goa, um im asiatischen Raum zu bleiben -und das Kulturdreieck schon gar nicht. Hier herrschen eher buddhistische Genügsamkeit und Gelassenheit vor. Im Zentrum von Sri Lanka liegt das alte Königsland Rajarata, das den ursprünglichen Kern der singhalesischen Hochkultur darstellt und seine Blütezeit zwischen 400 v. Chr. bis 1200 n. Chr. hatte. Heute ist es als kulturelles Dreieck bekannt, markiert von den Eckpunkten Anuradhapura, Polonnaruwa und Kandy. Diese Städte waren die Hauptorte auf der Insel, bevor sie im 19. Jahrhundert eine britische Kolonie wurde.Die Dichte an Sehenswürdigkeiten ist hier derart hoch, dass Besucher genügend Zeit einplanen sollten. Studien-und Pauschalreisen haken das kulturelle Dreieck meist in nur drei bis vier Tagen ab. Wer autonom unterwegs ist und seine eigenen Pläne schmieden kann, wird nicht einfach nur von Ort zu Ort hecheln, ein paar Fotos machen und wieder verschwinden. Zwei weitere Highlights neben den Königsstädten und Must-sees sind die Felsenfestung Sigiriya sowie die Tempelhöhlen von Dambulla. Alle genannten Orte gehören zum Weltkulturerbe der UNESCO, und "kulturelles Dreieck" ist in diesem Fall eine Bezeichnung, die keineswegs übertrieben ist.

Affen auf dem Sigiriya-Berg - der Löwenfelsen bildet das Zentrum des kulturellen Dreiecks.

Anuradhapura

Anuradhapura markiert den nördlichen Eckpunkt den Beginn der Kultur Sri Lanka. Sie war die erste Königsstadt und für rund 1.300 Jahre die Hauptstadt Sri Lankas. Mit ihrem Königspalast, den zahlreichen Tempeln und geradezu gigantischen Stupas bildete der Ort in jener Zeit das politische und religiöse Zentrum der Insel. In den Klöstern rund um die Tempelanlagen lebten bis zu 10.000 Mönche. Heute gleicht Anuradhapura mit seinen Ruinen einem großen historischen Freilichtmuseum, das ein Gebiet von rund 40 km² umfasst und 1982 als UNESCO-Welterbe anerkannt wurde. Das für die Buddhisten bedeutendste Heiligtum ist allerdings kein Tempel und keine Stupa, sondern ein Bodhi Baum, eine Art der Pappelfeige. Zeugnissen zufolge wurde er im Jahr 249 v. Chr. gepflanzt und ist somit der älteste in Dokumenten erwähnte Baum weltweit. Sein exakter Name lautet Sri Mahabodhi, und er gilt als die Mutter aller Bodhi-Bäume auf Sri Lanka. Der Legende nach kam er als Zweig des Baumes aus Nordindien nach Sri Lanka, unter dem Siddartha Gautama -bekannt geworden als Buddha -seine Erleuchtung hatte.

In den Klöstern und Tempelanlagen von Anuradhapura lebten einst bis zu 10.000 Mönche.

Polonnaruwa

Der zweite Eckpunkt im Kulturdreieck ist die ehemalige Haupt-und Königsstadt Polonnaruwa, südöstlich von Anuradhapura gelegen. Nach der Zerstörung der ersten Hauptstadt wurde sie der neue Sitz der Könige, darunter Parakrama Bahu I., der Sri Lanka gegen Ende des 12. Jahrhunderts in ein neues Goldenes Zeitalter führte. Sein größtes Verdienst bestand in der Schaffung vieler künstlicher Seen und weitläufiger Bewässerungsanlagen, was zu einer deutlichen Verbesserung der Landwirtschaft, vor allem beim Reisanbau, auch in den Trockenzeiten führte. Die zum Teil gut erhaltenen Ruinen von Tempeln, Dagobas (Stupas) und anderen Gebäuden lassen noch einiges von der damaligen Pracht Polonnaruwas erahnen. Besonders beeindruckend sind die Buddha-Statuen von Gal Vihara, vier direkt in den Fels gehauene, große Figuren des Religionsstifters, von denen eine liegend dargestellt ist. Um die gesamte Anlage zu besichtigen, benötigt man locker einen ganzen Tag. Am besten mietet man sich ein Fahrrad oderein Tuk-Tuk -das ist eine kleine, für Sri Lanka typische Autorikscha -mit Fahrer.

In Polonnaruwa findet man noch gut erhaltene Ruinen von Tempeln.

Kandy

Der dritte und südliche Eckpunkt im Königsland ist Kandy. Die ehemalige Hauptstadt der letzten singhalesischen Monarchie wurde im Jahr 1815 von den Briten erobert. Sie gilt als religiöses Zentrum des Buddhismus in Sri Lanka, denn hier wird laut Überlieferung ein Zahn Buddhas aufbewahrt oder -um genau zu sein -ein oberer linker Eckzahn. Ob das der Wirklichkeit entspricht, kann nicht sicher gesagt werden, da der Zahn selbst von den Gläubigen nicht gesehen werden darf, sondern lediglich eine goldene Schatulle, in der er sich befinden soll. Auf jeden Fall ist der Aufbewahrungsort, der so genannte Zahntempel, bis heute eine der bedeutendsten Pilgerstätten der Buddhisten. Ein Anziehungspunkt, der vor allem von den Einheimischen gern besucht wird, ist der See Kandy Lake. Hier trifft man sich zum Spazierengehen, auf ein Eis oder um eine Bootsfahrt mit einem gemieteten Kahn zu unternehmen. Auf dem Berg Bahirawakanda steht seit den 1990er Jahren eine kolossale moderne Buddha-Statue, die zwar weithin sichtbar ist, aber auch unter Singhalesen künstlerisch nur als gering eingeschätzt wird. Außer dem Zahntempel hat Kandy nichts Vergleichbares zu bieten wie die beiden anderen ehemaligen Königsstädte.Zu beachten ist, dass Kandy in 500 Meter Höhe liegt und hier deutlich kühlere Temperaturen als im Flachland herrschen. Vor allem in den Abendstunden schadet es nicht, ein wärmeres Kleidungsstück mit sich zu führen

Im berühmten Zahntempel in Kandy wird der Eckzahn Buddhas aufbewahrt.

Sigiriya

Ein Highlight und grandioses Naturspektakel abseits der Königsstädte ist der Löwenfelsen von Sigiriya, ein weiteres Wahrzeichen des Landes. Er liegt im Zentrum des Kulturdreiecks und ragt einsam und mächtig aus der umliegenden Landschaft heraus. In früheren Zeiten gab es auf dem Plateau des Gipfels eine Festung, von der heute allerdings nur noch die Grundmauern zu sehen sind, da der Rest der Gebäude aus Holz gebaut war. Der Zugang erfolgte durch das Löwentor, einem riesigen Löwenkopf, von dem nur noch die beiden mächtigen Vordertatzen erhalten sind. Die Stadt Sigiriya gruppierte sich mit ihren Lustgärten, die mittlerweile wiederhergestellt wurden, zahlreichen Pavillons, Springbrunnen und einer Klosteranlage rund um die Felsenkuppe.Berühmt sind auch die Fresken der "Wolkenmädchen", Malereien von überwiegend barbusigen Frauen, die sich ungefähr auf halber Höhe des Felsens unter einem Überhang befinden. Eine Inschrift besagt, dass es früher rund 500 solche Malereien gegeben haben soll. Heute sind es nur noch 22 teilweise restaurierte Abbildungen. Für Touristen herrscht übrigens absolutes Fotografierverbot, also besser nicht zur Kamera oder zum Smartphone greifen. Nicht entgehen lassen sollte man sich den benachbarten Felsen Pidurangala, der fast die gleiche Höhe erreicht wie Sigiriya. Hier trifft man deutlich weniger Touristen, hat aber eine ähnlich fantastische Aussicht auf die Landschaft.

Auf halber Höhe des Löwenfelsen befinden sich Malereien der "Wolkenmädchen".

Dambulla

Ebenfalls zentral innerhalb des Kulturdreiecks liegt Dambulla. Der Ort ist berühmt für seine Höhlentempel oder Tempelhöhlen, von denen es mehr als 80 auf einer Fläche von etwa 2.100 m² gibt. Die fünf größten liegen oberhalb des Tempels mit der goldenen, 30 Meter hohen Buddha-Skulptur und enthalten viele historische Statuen und Malereien. Insgesamt zählt man 153 Statuen von Buddha, vier von den Hindu-Göttern Ganesh und Vishnu sowie drei von Königen. Die Wandmalereien erzählen vom Leben Buddhas. Die kompletten Anlagen wurden 1991 unter der Bezeichnung "Goldener Tempel von Dambulla" in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen.Dambulla gehört mit den Höhlentempeln sicherlich zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten im Kulturdreieck. Aber der Weg hinauf ist mühevoll und schweißtreibend. Zum Teil führt er über sehr glatten Fels, deshalb sind feste Schuhe unbedingt anzuraten - die man übrigens oben wieder ausziehen muss, um die Tempel betreten zu dürfen. Auch eventuelle Kopfbedeckungen sind abzunehmen, während nackte Schultern und Beine verhüllt werden müssen.

Der goldene Tempel von Dambulla fasziniert nicht nur aufgrund seiner 30 Meter hohen Buddha-Skulptur sondern auch wegen vieler historischer Statuen und Malereien.
  • Historische Orte
  • Archäologische Sights
  • Religion
  • Museen
  • Handwerk