Hochzeitspaar
Südafrika | Insights

Was kostet mich meine Braut?

Die kuriose App Lobola aus Südafrika

Geschrieben von

Florian Gabler

08.06.2018

Andere Länder, andere Sitten. In Südafrika hat Lobola, der Brauch der Brautgabe eine lange Tradition. Eine neue App soll die Sache nun einfacher machen.

Eine alte Tradition

Bei vielen südafrikanischen Stämmen gehört er zum Heiraten dazu wie bei uns der Polterabend oder das gemeinsame Zersägen eines Baumstamms: der Brautpreis. Dieser jahrhundertealte Brauch wird in Afrika Lobola genannt. Will ein Mann heiraten, bezahlt er die Familie seiner Zukünftigen mit Geld, einer bestimmten Anzahl an Rindern oder auch Elektrogeräten wie einem neuen Herd.

Eine neue Erfindung

Wie hoch dieser Brautpreis ausfällt, ist individuell verschieden und oft sind zähe Verhandlungen nötig, bis der Bräutigam seine Angebetete zum Altar führen darf. Eine neue Erfindung soll dies nun einfacher machen: Die Lobola-App berechnet anhand eines Fragebogens unbestechlich den Wert der Frau.

Eine neue App berechnet den Wert der Frau

Fortschritt oder Regression?

Ist das nun ein Fortschritt oder werden Frauen dadurch herabgewürdigt, einer Sache gleich gestellt? Bevor wir Mitteleuropäer mit dem erhobenen Zeigefinger wedeln und sowohl die neue App als auch die traditionelle Art der Verhandlung als politisch unkorrekt verdammen, sollten wir vielleicht einen Blick auf die Hintergründe werfen.

Lobola: ein Dank an die Eltern

So fortschrittlich Südafrika ist, so tief verwurzelt ist es mit seiner Kultur und seinen Traditionen. Fast 90% der Männer, die afrikanischen Stämmen wie den Zulu oder den Swazi angehören, halten sich an den jahrhundertealten Brauch des Lobola. Dieser Brautpreis, oder vielleicht besser die Brautgabe, ist dabei jedoch nicht mit einer Bezahlung im klassischen Sinne gleichzusetzen. Es handelt sich vielmehr um ein Zeichen der Wertschätzung, auch eine Art Dank an die Eltern der Braut. Viele sprechen zudem von einem Symbol der Verehrung für die Zukünftige. Nichtsdestotrotz wird zwischen den Familien mitunter hart verhandelt und gefeilscht.

Ein Zeichen des Respektes

Dabei geht es aber nur vordergründig um eine bestimmte Summe Geld oder Anzahl Kühe. Schließlich müssen hier zwei Familien zusammenwachsen, es muss eine belastbare Beziehung entstehen. Lobola steht für den Respekt vor den Angehörigen der Braut, für Achtung und Ehrerbietung gegenüber der Frau. Und wenn man sich schon nicht über den Brautpreis einig wird, liegt sicher auch sonst noch etwas im Argen. So scheiterte eine Eheschließung zwischen Staatspräsident Jacob Zuma und einer Prinzessin aus Swasiland vor einigen Jahren an einer zu hohen Lobola-Forderung. Man munkelt, dass die Familie der Braut nicht mit Zumas freizügigem Lebensstil einverstanden war.

Ein Symbolischer Wert, wie ein Ehering

Aussehen und Bildung bestimmen den Preis

Wie funktioniert die neue App, die langwierige Verhandlungen durch ein paar Klicks ersetzen soll? Verschiedene Parameter wie Alter, Körpergröße, Gewicht und Taillenumfang sind gefragt. Neben solch doch eher oberflächlichen Details spielen auch Schulabschluss und Bildungsstand der Frau eine Rolle. Weitere Fragen behandeln das Vorleben der Auserwählten. War sie schon einmal verheiratet? Hat sie Kinder? Während eine positive Antwort auf letzteres den Preis senkt, erhöht ein Hochschulabschluss das Lobola. So könnte die Familie einer 25-jährigen kinderlosen Frau mit Abitur, die 165cm groß ist und 55kg wiegt, umgerechnet 3.500€ und zusätzlich fünf Kühe vom Bräutigam verlangen.

Eine App soll helfen

Und wo bleibt die Liebe, könnte man bei all der pingeligen Rechnerei und der modernen Hightech-Begeisterung fragen. Zugegeben, so ganz ernst nimmt Lobola-App-Erfinder Robert Matsaneng aus Johannesburg sein neues Handy-Tool selbst nicht. Der Softwareentwickler kam durch die Eheschließungen seiner Freunde auf die Idee zu der neuen App. Sie sei eigentlich nur Spaß, aber wenn sie die traditionellen Verhandlungen einfacher gestaltet, warum nicht? So ungefähr lässt sich die Haltung von Matsaneng zusammenfassen.

Eine App soll bei der Bestimmung des Brautpreises helfen

Die Reaktionen sind gemischt

Und was sagen die Betroffenen selbst zur Lobola-App? Die Reaktionen reichen von Empörung bis zu Begeisterungsstürmen. Es ginge bei Lobola nicht um ein Preisetikett, sagen die einen. Diese App zeige, dass die heutigen Menschen die Bedeutung von Lobola nicht mehr verstehen. Manche jungen Südafrikanerinnen betonen, dass man miteinander sprechen und letztendlich die Familie der Frau den Preis festlegen müsse und dass sowas doch nicht über das Handy gehe. Einige Südafrikaner zeigen sich aber auch begeistert: Jetzt könne nicht mehr geschummelt werden. Man lebe in einer modernen Welt, dem müsse man sich anpassen.

Andere Länder, andere Sitten

Was man von der neuen Lobola-App hält, muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden. Fest steht: Eine Kultur, die so vielschichtig und lebendig ist wie die Südafrikas, kann man nicht mal eben schnell aufgrund eines Schlagwortes wie Brautkauf be- bzw. verurteilen. Andere Länder, andere Sitten: Das trifft auch auf den Brautpreis Lobola zu.