22. November 2015

„In Montana, there's three things we're never late for: church, work and fishing.“

Es ist Sommer in Montana. Der kalte Wind pfeift mir um die Ohren, als ich dick eingepackt, unweit der kleinen Ortschaft Big Sky, auf 2.200m mein Glück beim Fliegenfischen versuche.

Der Gallatin River ist ein berühmter Fluss hier im Westen der USA - bekannt für besonders gutes Fischen. Doch mir scheint, heute ist er vielmehr eine widerspenstige Masse Wasser, die mich niederbringen will. Den rutschigen Steinen, den tiefen Löchern und den Windböen zum Trotz kämpfe ich in meiner Wathose und mit Filz besohlten Watschuhen gegen die Strömung an. Immer auf der Suche nach einem guten Ort, um meine Angel auszuwerfen und den Köder vor einem Fisch zu platzieren.

Trockenfliege

Es hat lange gedauert, aber jetzt verstehe ich die Fische. Zumindest die Fische heute und hier im Gallatin River. Ich persönlich würde mich als Fisch jetzt auch hinter einem großen Stein verstecken. Idealweise möglichst weit von Straßenzugängen und Farmen entfernt. Da würde ich mich einparken und warten, bis etwas Essbares vorbei treibt.

Eine leckere Trockenfliege oder noch lieber eine klitzekleine Nymphe. So eine, wie der Typ aus dem Flyfishing Shop sie uns empfohlen hat. Aber leider haben heute weder der Einheimische noch wir erraten, wonach den Fischen wäre. Vielleicht sind sie auch einfach nicht hungrig.

Die Wurftechnik

Die Kunst des Fliegenfischens wurde schon vor 2000 Jahren alten griechischen Schriften festgehalten. Schon damals hat man die Welt der Insekten imitiert und versucht, damit Fische zu fangen. Meist sind es Eintags-, Köcher-, Steinfliegen und Mücken, die mit einer schweren Wurfschnur punktgenau platziert werden. Dafür bewegt man die Angel zwischen 10 und 2 Uhr hin und her und stoppt im richtigen Moment die Bewegung sanft ab.

Die Ästhetik der Wurftechnik ist für jeden Fliegenfischer wichtig. Unweigerlich muss man jetzt an Brad Pitt denken, der in Robert Redfords Film „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“ dem Sport zu weltweiter Bekanntheit verholfen hat. Vor ihm stand hier im Westen der USA auch schon Ernst Hemingway - ebenfalls begeisterter Fliegenfischer. Hemingway verbrachte die letzten Jahre seines Lebens im Nachbarstaat Idaho. In dem Ort Ketchum, wo er lebte, findet inzwischen jährlich im September ein Festival in Gedenken an den Schriftsteller statt.

Three Dollar Bridge

Am nächsten Tag fahren mein Partner, Fliegenfischer seitdem er eine Angel halten kann, und ich an den Madison River im Süden. An die Three Dollar Bridge lautet der Geheimtipp. Den anderen Autos nach zu schließen, ein recht schlecht gehütetes Geheimnis.

Fly Fishing

Macht aber nichts, denn hier soll es gut gehen. Nur sollten wir uns am Fluss halten und nicht durch privates Farmland spazieren. „Die Farmer bei uns haben Shotguns“ hat uns der Guide im Shop gesagt und wir haben nur genickt. Keinen Meter werden wir uns aus dem Flussbett wagen. Müssen wir aber auch nicht, wir sind ja schließlich für die Fische hier.

Am meisten freut sich der passionierte Fliegenfischer, wenn es ihm gelingt, einem Fisch den perfekten Snack zu servieren, ohne dass dieser ihn von einem echten ohne Haken unterscheiden kann. Also probieren wir verschiedene Fliegenmuster durch. Die meisten selbstgebunden, einige gekaufte.

Fisch an der Angel

Und dann passiert es tatsächlich. Ich habe einen Fisch an der Angel. Freudenschrei und leichte Panik sind nicht zu unterdrücken. Doch es läuft alles wie am Schnürchen, ich hole den Fisch her, greife nach dem Haken und löse ihn vorsichtig. Catch & Release ist glücklicherweise üblich hier und erspart mir den unangenehmen Teil des Tötens. Vor lauter Freude und Eile machen wir nicht einmal ein gutes Foto.

Fliegenfischen

Aber groß war er sicherlich, mein erster Fisch und wie als wäre der Fluch nun gebrochen folgen am nächsten Tag westlich von Yellowstone noch weitere Bisse in glasklarem Wasser. Man könnte fast süchtig werden, nach dem Moment, an dem man merkt, dass ein Fisch am Haken hängt. Der Moment, an dem man ihn durchschaut, hat mit Hilfe von Beobachtungen der Natur, mit viel Geduld und dem perfekten Wurf.

„Das interessanteste Geschöpf der Zoologie ist der Fisch. Er wächst noch, wenn er längst verspeist ist. Wenigstens in den Augen des Anglers…“ Ernest Hemingway

Lea Hajner

Lea Hajner
Reisejournalist

Lea Hajner ist als Reisejournalistin am liebsten an Orten unterwegs, die man erst einmal googlen muss. Die gebürtige Wienerin fühlt sich in den Bergen am wohlsten. Von ihrem neuen Zuhause in Innsbruck aus bereist sie die Welt und besteigt die Berge. Manchmal auch beides zusammen. Zu ihren Lieblingsorten zählen Samoa, die indonesischen Togean Islands und die Berggipfel rund um Innsbruck.

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Reiseinfos

Fliegenfischen in Montana

Praktische Reiseinfos

In den Süden Montanas gelangt man am besten mit einem Flug in die sympathische Kleinstadt Bozeman. Von hier fährt man zB mit einem Mietauto rund zwei Stunden über Big Sky zum Westeingang des Yellowstone Nationalparks.

Beste Reisezeit

Ein echter Fischer fischt zu jeder Jahreszeit. Besonders gut soll es aber in den Sommermonaten Mai-August sein.

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