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Peru | Stories

Fineway unterwegs: Peru Edition

Unsere Content Managerin Marie-Theres im Land der Inka

Geschrieben von

Marie-Theres Rüttiger

27.09.2019

Lamas, Pisco Sour und die Kunst, sich das Leben entspannt kompliziert zu machen. Wenn du Peruaner nach ihrer Heimat fragst, sagen viele das. Und: Essen. Du wirst nicht gefragt wie lange du in Peru warst, sondern vor wie vielen Gürtellöchern. Peru ist das Kulinarik-Ziel Nr. 1 in Südamerika. In diesen Genuss durfte ich in diesem September selbst kommen.

Pisco-Brunnen und Tanzen in verschiedenen Fortbewegungsmitteln

Ich war 10 Tage für FINEWAY im Land der Inka unterwegs. Es ging einmal quer durch das Land, durch drei verschiedene Landschaften und Klimazonen: Wüste, Anden, Regenwald. Zwanzig 3 bis 5-Gänge-Menüs und 1-2 Pisco Sour später bin ich wieder in München und möchte euch gerne einen kleinen Einblick in das Land der verborgenen Schätze geben, in dem Eiweiß nicht nur das Häubchen auf den Drinks ist, sondern als Zutat in den Säulen auch Kirchen vorm Einsturz bewahrt.

Dabei habe ich nicht nur erfahren, dass in Lima der Pisco-Tag mit einem Brunnen voller Traubenschnaps (3.000 Liter) gefeiert wird, sondern auch in den verschiedensten Fortbewegungsmitteln (Zug, Kreuzfahrtschiff) zu lateinamerikanischen Rhythmen getanzt. Dazu später mehr.

Prom Perú hatte den Trip für uns organisiert.

Reise-Route: Stadt, Berg, Fluss

Lima, Pisco City

Los ging’s in Lima, der Hauptstadt mit dem eselbauchgrauen Himmel. Das hört sich jetzt erst einmal wenig charmant an, doch die Limaner nennen ihren Himmel ganz liebevoll Eselbauch und er tut der kosmopolitischen Atmosphäre der Stadt keinen Abbruch. Die Lage zwischen Pazifik und Anden macht es dem Himmel schwer, sich gegen die Wolken zu wehren. Außerdem ist es ja gerade Winter in Peru, was hier 18 Grad Celsius bedeuten. Nur die waghalsigsten Surfer wagen sich in die kalte Brandung des Pazifiks. Ich kann sie von meinem Hotelfenster aus beobachten.

Der Ausblick vom Pool auf der Dachterrasse des Belmond Miraflores Park kann sich sehen lassen.

Wir übernachten die ersten zwei Tage im Belmond Miraflores Park. Meine Suite im 8. Stock zeigt zur Beachfront. Ein Upgrade, dass mir den ersten sehr frühen Morgen sehr versüßt. Auch das Frühstück auf der Dachterrasse des Hotels. Danach geht es mit dem Kleinbus vom Hotel aus direkt in die Stadt.

Sofia, unser Guide von A&K, kann jede Frage über Lima beantworten und führt uns durch Limas Zentrum mit den schönen kolonialen Balkonen und die Katakomben. Perus Reichtum als freies Land stammt von verkauften Seevogelkot und Anchovis erzählt sie uns. Dann steht der erste Pisco mit Meerblick samt 3-Gänge-Menü an. Nicht das letzte an diesem Tag.

Limas typischer Donkey Belly Sky.

Anschließend erkunden wir Limas In-Viertel Barranco mit seiner Street Art und besichtigen Hotel B. Ein Boutique Hotel, dessen Besitzer ihre außergewöhnliche und sehr umfassende Kunstsammlung im Hotel ausstellen.

Am Abend essen wir gegenüber einer Inka-Ruine, die in oranges Licht getaucht ist. 3-Gänge. Ich beschließe, nur noch Hosen mit Gummizug zu tragen.

Limas Szene-Viertel Barranco hält einige Street Art-Schmückstücke bereit.

Cusco, Inka City

An Tag 3 fliegen wir direkt nach Cusco: Inka City. Auf über 3.000 Höhenmeter, wo die Kirchen das europäische Mindestmaß an Kitsch noch um ein Vielfaches überschreiten und Jesus Rock trägt, nimmt uns unser Guide Fidel in Empfang. Hier sehen wir nun auch endlich die peruanische Sonne am strahlend blauen Himmel über den Anden.

Ein Tipp zur Höhe: Sehr viel trinken (mindestens 3 Liter) und eher leicht verdauliche Speisen wie Suppen mit weniger Ballaststoffen zu dir nehmen. Coca-Tee hilft gegen Kopfweh, Muna-Tee gegen Magenschmerzen und Verdauungsstörungen. Du wirst ständig auf der Suche nach der nächsten Toilette sein, aber die Guides kennen dieses Phänomen ganz genau und wissen Rat. Dann sollte die Höhe dir den Spaß nicht verderben.

Cuscos Himmel hat uns mit Strahlen empfangen.

In Cusco kommst du dem kolonialen und dem Inka-Erbe des Landes dann ganz nahe. Hier stehen katholische Kirchen der Spanier auf Inka-Ruinen. Im Innenhof des präkolumbianischen Museums essen wir in einer Art Glaskasten zu Abend - MAP. Es ist hervorragend, obwohl ich etwas Kopfweh habe und mich natürlich nicht an den Rat mit den leichten Speisen halte. Die Preise stehen nicht auf der Karte.

Wir übernachten in einem ehemaligen Kloster, dem Belmond Monasterio mit fantastisch schönem Innenhof. Das Kloster-Thema zieht das 5-Sterne-Hotel bemerkenswert durch. Marien- und/oder Heiligen- und Engelsdarstellungen finden sich in jedem Zimmer und vielleicht hat man das Gefühl, vielleicht besser beten zu müssen. Der Saal für Empfänge ist eine Kapelle. Ist speziell, muss man mögen. Aber das Frühstück im Innenhof entschädigt dafür allemal.

Mein Frühstück-Highlight in Cusco.

Urubamba, das Heiliges Tal

Tag 4 beginnt mit einer Fahrt ins Heilige Tal. Hier besuchen wir eine traditionelle Dorfgemeinschaft in den Anden, die uns einen Einblick in ihr Leben gewährt, und machen eine Kajaktour auf einem See. Die Höhe macht einen ohnehin kurzatmig, meine fehlenden Armmuskeln tun ihr übriges. Aber schließlich muss ich meinen Koffer nicht selbst tragen.

Danach haben wir uns das Mittagessen echt verdient. Es wird in einem Erdloch mit heißen Steinen gegart. 12-26 verschiedene Kartoffelsorten zum Beispiel. Zuvor steht aber noch eine Erdzeremonie an. Sie soll Mutter Erde ehren und dafür sorgen, dass uns in allen Lebensbereichen Gutes wiederfährt.

Gelernt: Ein Alpaka, kein Lama.

Die Nacht verbringen wir im Tambo del Inka – dem weitläufigsten Hotel, das ich jemals gesehen habe. Meine Suite hat eine Terrasse mit Andenblick. Darauf trinke ich nach Ankunft erst einmal einen Kaffee, den ich sofort verschütte. Ist aber nicht schlimm, denn vom Pool aus, in den ich danach steige, kann ich auf die Berge sehen.

Traditionelle Erdzeremonie unter blauem Andenhimmel.

Machu Picchu, geheimnisvolle Ruinenstadt

Im Agatha Christie-Stil à la Mord im Orient Express geht es dann im Belmond Hiram Bingham-Zug zum Machu Picchu. Im Barwagen spielt sich die Band schon für die Party auf der Rückfahrt warm. Wir essen zum Zeitvertreib ein 3-Gänge-Menü während die Anden neben uns vorbeiziehen und die Landschaft allmählich immer grüner wird.

Am Machu Picchu kommen wir nach einer halbstündigen Busfahrt mit großen Serpentinenspaß an. In den Ruinen sind dann wohl die Lamas die eigentliche Attraktion, wenn es um Fotomotiv-Häufigkeit geht. Sie haben gerade zwei Wochen alte Babys. (Lamaemoji, Herzemoji!)

Der Grund für die meisten Touristen nach Peru zu kommen: Machu Picchu.

Fidel ist um keine Antwort auf jegliche Frage zur Ruine verlegen, zum Beispiel zu den Verschwörungstheorien, dass die Inka aus dem All kamen und dort wieder hinverschwunden sind. Oder wie viele Menschen wohl in Machu Picchu gelebt haben (ca. 30-1.000).

Auf der 3-stündigen Rückfahrt nach Cusco vertreiben wir uns die Zeit vor dem Essen mit Tanzen im Barwagen und Pisco sour. Ich werde noch immer etwas seltsam angesehen, weil ich ihn jedes Mal ohne Ei-Haube bestelle. Vielleicht sind 1-3 Tambourins involviert. Eine weitere Nacht unter einem sehr großen goldenen Rahmen über dem Bett mit Heiligenschein folgt.

Vor einer Woche geboren und gut zu Fuß: Ein Babyllama.

Im Boot durch den Regenwald: Amazonas

In völlig andere Gefilde geht es am nächsten Tag. Wir fliegen in Richtung nach Iquitos. Nach einer Stunde Busfahrt landen wir in Nauta und boarden dort das Flusskreuzfahrtschiff Zafiro von Jungle Experience. Eine 20-köpfige Crew kümmert sich um uns, meine Suite hat einen Balkon, der Pool auf dem Deck ist sehr nett.

Nach dem ersten 5-Gänge-Menü folgt mein persönliches Highlight der Reise. Mit unserem Guide machen wir nachts einen Ausflug mit dem Speedboot in einen Nebenarm des Flusses. Umgeben vom Regenwald lauschen wir im völligen Dunkel seinen Millionen Geräuschen. Alles im Einklang. Es ist besser als jeder Einschlafpodcast auf Spotify. Außerdem begegnen uns einige Kaimane und Fledermäuse, die an der Wasseroberfläche Fische fangen.

Der Zafiro verbindet Ökotourismus mit Luxus pur.

Die nächsten beiden Tage stehen ganz im Zeichen von Erkundungstouren auf dem Fluss und durch den Regenwald, auf denen sich das beeindruckende Know-How unseres Guides Juans über die Flora und Fauna der Amazonas-Region zeigt. Er begrüßt mich immer mit „Servus“ und weiß sehr viel über Ayahuasca.

Hier ein Auszug der Liste an Tieren, die uns begegnet sind: Spinnenaffen, Spinnen, graue Delfine, rosa Delfine, Anakonda, Boa, Giftfrösche (diverse), Faultier, Kuati (peruanischer Waschbär mit Rüssel), Hühner, Handtuch in Form eines Skorpions.

Nette Bekanntschaften im Amazonas-Regenwald.

Außerdem besuchen wir ein kleines Dorf. Neben dem Dorfbesuch in den Anden mein Lowlight, denn du fühlst dich nie mehr als europäischer Tourist, wenn Einheimische für dich kochen und einen Abschlusstanz aufführen, der sich nicht so recht in das Authentizitätsbild einfügen möchte, nachdem der Guide mehrfach betont, dass unser Besuch nicht angekündigt war.

An unserem letzten Abend, bevor es am nächsten Tag zurück nach Lima geht, wo wir den Inka-Markt und Miraflores noch etwas erkunden, stellt sich heraus, dass die Crew eine sehr passable Latino-Band abgibt und ich aus der Nummer mit dem Tanzen nicht mehr rauskomme. Höre außerdem mittlerweile auf Maria-Theresa.

Der Samstagsmarkt in Nauta: Eintauchen in eine völlig andere Welt.