Island.Gletscher
Island | Stories

Island - Mir fallen nur kitschige Titel ein

Island und der Sommerschnee

Geschrieben von

Marianna Hillmer

03.09.2018

Liebesgeschichte in Bildern, Verliebt in Island…?! Ganz schrecklich sentimentale. Aber was Gescheiteres fällt mir auch nicht ein. Island ist überwältigend schön.
Gebirgslandschaft

Kann man in eine Idee, in eine Vorstellung von etwas verliebt sein?

Meine Liebesgeschichte mit Island beginnt lange vor meinem tatsächlichen Besuch. Es war ein Abend im Münchner Literaturhaus, bei einer Lesung von Hallgrímur Helgason, wo der erste Funken übersprang.

Ponys auf Island

Hallgrímur Helgason las aus seinem Buch „Eine Frau bei 1000 Grad“ – und für mich stand fest, Isländer sind charmant sonderbar, mit einer ausgeprägt makabren, humorvollen Note. Den schwarzen Humor der Briten könnte man dagegen als sensibel abstellen.

Eisige Gletscherlandschaft

Ob die isolierte Lage im Nordatlantik, nördlich der Zivilisation, auf halber Strecke zwischen dem amerikanischen und dem europäischen Kontinent dafür verantwortlich ist? Oder weil der isländische Staat keine Armee besitzt? Weil der Glaube an Feen und Trolle immer noch in der Bevölkerung vorhanden ist? Dass der Winter sehr lang, der Sommer sehr kurz ist und die Sonne sich mal gar nicht zeigt oder überhaupt nicht mehr untergeht?

Reißender Wasserfall in der Abenddämmerung

Vielleicht sind es auch die naturellen Bedingungen, nicht umsonst wird Island auch die Insel aus Feuer und Eis genannt. Island ist die größte Vulkaninsel unserer Erde, doch die Lava kocht unter dicken schneebedeckten Eiskappen der Gipfel.

Polarlichter - ein faszinierendes Naturschauspiel

Es gibt nichts Vergleichbares

Polarlichter, riesige Gletscher und brodelnde Vulkane vereint auf einer Insel. Island ist ein Naturparadies, überwältigend schön und geprägt durch Extreme. Es ist das Gesamtpaket aus Sonderbarem und Extremen, das mich bereits aus der Ferne magisch angezogen hat.

Schneeweiße Gletscher im Abendrot

Wir reisen zum offiziellen Sommerbeginn nach Island. Wir lernen: Isländer unterscheiden nur zwischen zwei Jahreszeiten: Sommer und Winter. Der Sommerbeginn ist ein offizieller Feiertag und fällt immer auf den Donnerstag nach dem 19. April. Bei Icelandair im Flieger gibt es zur Feier des Tages erstmal eine Portion Eis.

Sommeranfang in Reykjavík

Als wir landen, werden wir von sommerlichen Null Grad und einem eisigen Wind aus Norden empfangen, der die gefühlte Temperatur auf Minus fünfzehn Grad Celsius runterschraubt. Die Jugendlichen interessiert das nicht, nun ist offiziell Sommer, also endlich rein in die T-Shirts und weg mit den Wintersachen. Mir frieren die Hände beim Fotografieren ein; ich hab meine Handschuhe vergessen.

Brodelnder Geysir

Als wir mit einem Helikopter auf einem Vulkan landen, sinkt die gefühlte Temperatur um weitere fünfzehn Grad und dennoch blubbert und brodelt es um uns herum. Es stinkt nach Schwefel, der in riesigen Rauchwolken aus der Erde tritt und unsere Sicht behindert. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht in kochend heiße Wasserpfützen treten, während der Boden und die Gräser in eine konservierende Eisschicht gehüllt sind.

Beeindruckender Skógafoss Wasserfall

Beim Skógafoss-Wasserfall werden wir mit einem gigantischen Regenbogen empfangen, wo ich dem Gedanken unterliege, dass mit Sicherheit ein Pott voll Gold an dem einen Ende versteckt ist. Danach zu tauchen würde den sofortigen Gefriertod bedeuten. Jeder Tropfen Wasser, der sich von der fließenden Kraft des Wasserfalls entfernt gefriert sofort zu Eis.

Vik im Süden der Insel

An der Küste in Vík, dem südlichsten Ort der Insel, wird mir klar, dass Island sogar den schönsten Strand der Welt zu bieten hat - weißer Sandstrand mit Palmen gesäumt? Eben nicht. Tief schwarzer Sand aus Vulkangestein ziert den kilometerlangen Strand, der durch schroffe Felsformationen unterbrochen wird. Papageientaucher bewohnen die Klippen. Hinter uns ein Panorama aus schneebedeckten Vulkanen. Und im Westen geht die Sonne ganz gemächlich unter.

Die berühmten "Isländer" in freier Wildbahn

Mehrere Stunden färbt sich der Himmel in Gelb, in Orange schließlich in Rot, von Norden zieht derweil ein Sturm auf. Es fällt Schnee. Einen Tag nach Sommeranfang. Die Isländer nennen es Sommerschnee. Sommerschnee auf schwarzem Sand, wieder so eine sonderbare isländische Erscheinung, der ich gnadenlos verfallen bin.

Ländliche Idylle auf der beschaulichen Insel