Jordanien | Stories

Von Menschen, die man an einem Freitag in der Wüste trifft

In der Wüste macht man interessante Begegnungen

Geschrieben von

Yvonne Zagermann

20.08.2018

„Hi, do you know what day is today?“

Die Sonne blendet mich und mein Gegenüber schaut mich erwartungsvoll an.

„Friday?“

„Yes, Friday, that’s my name. Today is my name“. Er strahlte über das ganze Gesicht.

„Can I take your picture?“ Ich lachte und fand es lustig, dass er mich fotografieren wollte. Als er mir das Foto zeigte, konnte ich nicht wirklich was sehen, das Handy war klein und alt und die Sonne stand tief.

„You like it?“ „Yes, I like it.“ Ich wollte höflich sein, und dachte es wird schon ein gutes Foto sein. Friday lachte nun laut.

„Look, look. There’s no picture. My phone has no camera!“

Dort, wo ich noch vor wenigen Sekunden gedacht hatte die Umrisse meines Gesichts zu erkennen, war nichts anderes als die Grafik eines Strichmännchen zu sehen. Und dann, dann lachten wir beide.

Friday und Ali in der Wüste

Ich traf Friday an einem Freitag in Jordanien. Im Wadi Rum. Sein Freund Ali war unser Fahrer und fuhr nun mit uns durch die Wüste. An Felsformationen vorbei, die aussahen wie Brücken und Schiffe. Angeblich gibt es auch einen Fels, der aussieht wie ein Pilz. Aber an dem kamen wir nicht vorbei.

Wadi Rum ist eine dieser Wüsten, die man einfach erleben muss. Sie ist auf der Unesco Welterbeliste und wurde seit jeher von Beduinen bewohnt. Im ersten Weltkrieg kämpften diese Beduinen an der Seite von T.E. Lawrence (bekannt als „Lawrence von Arabien“) in der Arabischen Revolte. Und spätestens nach dem oscargekrönten Kinofilm „Lawrence von Arabien“ wurde Wadi Rum weltberühmt.

Wadi Rum ist eine geschützte Wüstenwildnis

„Do you want to ride a camel?“ Wir stoppten kurz vor der „großen Brücke“ und unser Guide winkte einen Beduinen heran, per Handzeichen gab er ihm zu verstehen, dass wir drei Kamele bräuchten. Für die Jungs. Das mit dem Kamelreiten ist nicht so mein Ding, ich wollte lieber mit dem Geländewagen über den Sand brettern.

Irgendwann gab unser Fahrer Ali nach und ich durfte mich ans Steuer setzen. Der Fakt, dass ich Deutsche bin, hat ihm wohl gereicht als Versicherung um mir seine Schlüssel zu übergeben. Ich muss sagen, das hilft komischerweise immer. „Do you know how to drive a car with stick shift in the desert?“ „Well, I’m German.“ Und zack hat man die Schlüssel in der Hand. Gut, dass nie einer danach fragt, ob ich einparken kann…

Im Dorf Wadi Rum wohnen mehrere hundert Beduinen

„How fast can I go?“ „50 or 60!“ Kurz war ich enttäuscht, dass ich nicht schneller fahren durfte, mir wurde aber auch schnell klar warum. Die Wege im Wadi Rum sind uneben. Fährt man gerade noch über Sand, spürt man auf einmal Gestein unter den Rädern. Aber ich hatte meinen Spaß, driftete ein bißchen (unabsichtlich – aber GEKONNT! Ich war so stolz auf mich!) über die Dünen und blieb irgendwann dann einfach stecken. Die Kupplung stank, ich hatte ein schlechtes Gewissen, aber Ali lachte und brachte den Wagen in Nullkommanix wieder aus dem Sand. Irgendwann kamen wir im Rahayeb Camp an, wo wir die Nacht verbringen würden. Ein Camp in der Mitte von Nirgendwo und doch hat es alles, was man braucht. Nur der Strom, der wird irgendwann abgestellt. Ich glaube es war so gegen zehn Uhr abends. Aber da saß ich gerade draußen, unter dem Sternenhimmel, hab Sternschnuppen gezählt und mal wieder gedacht, dass der Nachthimmel nirgends so schön ist, wie in der Wüste.

Das Rahayeb Camp dient als beliebter Übernachtungsplatz

Nur eine Sache, die bereue ich sehr. Dass ich, als Friday sich mir vorstellte, nicht gewitzt genug war mit „Hi, und ich bin Robinson“ zu antworten.