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Jordanien | Stories

Kurvendiskussion mit der Straße

Mit dem Taxi durch Jordanien

Geschrieben von

Christoph Karrasch

17.08.2018

Wer Jordanien individuell erleben möchte, erkundet das Land am besten per Überlandbus. Eine erschwingliche Alternative mit eingebauter Privatsphäre ist das Taxi.

Unter dem Rückspiegel von Omars Taxi baumelt ein Schild. Darauf prangen auf schwarzem Grund eine Zigarette im roten Kreis und der Schriftzug Non-Smoking Zone. Der Ellenbogen unseres Fahrers lehnt lässig auf der Kante seines geöffneten Fensters – zwischen seinen Fingern klemmt eine brennende Kippe. „Das Schild gilt nicht für mich“, erklärt uns der Mann mit Zeichensprache. „My taxi!“ Dann lacht er, drückt auf die Hupe und beginnt, sich durch den dichten Verkehr von Amman zu schlängeln.

In Jordaniens Hauptstadt ist das Taxi für Reisende ein ideales Verkehrsmittel. Als Selbstfahrer ist man schnell aufgeschmissen, wenn die zwei Millionen Einwohner zur Rush Hour um jeden Zentimeter Asphalt kämpfen. Und auch außerhalb der Stadtgrenzen kann man sich den Fahrstress im eigenen Mietwagen ersparen. Erschwinglich ist das Taxi allemal. Bei der Verabschiedung vor unserem Hotel fragen wir Omar, wie teuer es wäre, wenn er uns am nächsten Tag in die rund 250 Kilometer entfernte Felsenstadt Petra fahren würde. „One way 40 Dinar“, antwortet er, was ungefähr dem gleichen Wert in Euro entspricht. Wir verabreden, ihn anzurufen. Kurz darauf wird sein Wagen wieder zu einem fließenden Teilchen im Straßengewusel von Amman.

Im Straßenverkehr in Amman schlängeln sich die Autos ineinander

Verständigung mit Händen und Füßen

Die Fahrt in den Süden nach Petra ist eine geschichtsträchtige Reise durch die Natur. Wir fahren durchs Jordantal, zur Taufstelle von Jesus und hoch hinauf auf den Berg Nebo, von dem aus Moses einst das Gelobte Land gesehen haben soll. Wir sitzen auf Omars Rückbank und haben die Fenster runtergekurbelt. Es hat gar nicht lange gedauert, bis er auch uns das Rauchen erlaubt hat. Ansonsten sprechen wir eher mit Händen und Füßen miteinander oder kreieren ein interessantes Kauderwelsch aus Englisch und Arabisch. Omar ist eben kein Tourguide, er ist Taxifahrer. Aber als wir auf die zahlreichen Familien deuten, die am Straßenrand im Schatten der Bäume auf Decken sitzen, reichen drei Worte von ihm, damit wir die Situation verstehen: „Friday, weekend, picnic.“

Taufstelle Jesu am Jordan

Der Rückweg vom Berg Nebo ist eine serpentinenreiche Fahrt hinunter ins Tal, Omar hat die arabische Musik aus seinem Autoradio laut aufgedreht, summt schief mit und führt eine scheinbar endlose Kurvendiskussion mit der Straße. Wir haben schnell Vertrauen zu unserem Fahrer gefasst, fühlen uns zu jeder Zeit sicher und machen zwischendurch auch mal die Augen zu. Die Straßenverhältnisse in Jordanien sind erstaunlich gut.

Vom Berg Nebo kann man die Welt von oben sehen

Unterwegs auf dem staubigen Desert Highway begegnen wir immer wieder den blau-weiß gestreiften JETT-Bussen, eine Institution im nationalen Überlandverkehr. Die klimatisierten Coaches – mal Reisebus, mal Sprinter – sind die Alternative zum Taxi. Zuverlässig und günstig (Amman–Petra: 8 Dinar) fahren sie zu Jordaniens Hotspots: ans Rote Meer nach Aqaba, zum Wüstenerlebnis ins Wadi Rum oder ans übersalzige Tote Meer.

Das Tote Meer in Akaba bietet den perfekten Spot zum Tauchen

Endlich wieder auf dem Desert Highway

Was bei einer Überlandfahrt mit dem Taxi dazukommt ist, dass man die Übernachtung für seinen Fahrer zahlen muss. Als wir in Petra ankommen, sagt Omar „My friends here“ und zeigt auf ein einfaches Guesthouse. „You pay.“ Die Frau an der Rezeption spricht Englisch und erklärt uns den Rest. Die Nacht für Omar kostet 15 Dinar, wir verabreden uns mit ihm für die Rückfahrt am nächsten Morgen.

Khazne al-Firaun in Petra gehört zu den UNESCO-Welterben

Bis in die historische Felsenstadt Petra wären wir eh nicht mit dem Taxi gekommen. Den letzten halben Kilometer durch die Sandsteinschlucht müssen wir zu Fuß zurücklegen. Wir staunen über das Schatzhaus Khazne al-Firaun, die berühmteste Sehenswürdigkeit Petras. Esel und Kamele traben über die staubigen Sandwege, an den Marktständen buhlen Händler singend um uns als Kunden, und wir freuen uns, dass wir diesen Trip unternommen haben. Am allermeisten aber freuen wir uns auf die Rückfahrt morgen, wenn wir wieder in Omars Taxi sitzen. Unter uns der Desert Highway, die Fenster runtergekurbelt, das Autoradio laut aufgedreht, und Omar summt schief zur arabischen Musik, dem grandiosen Soundtrack unserer Reise.

In Petra muss man sich eine Alternative zum Taxi suchen