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Myanmar | Stories

Eine Entdeckung wert: das mystische Mrauk U in Myanmar

Südostasiens mystischster Ort

Geschrieben von

Markus Feigelbinder

23.10.2017

Die archäologische Tempelanlage Mrauk U ist ein touristisch verborgenes Juwel, das sich Entdecker bei einem Besuch von Myanmar nicht entgehen lassen dürfen.
Tempelanlagen im Nebel

Faszinierendes neues Reiseziel in Südostasien

Noch vor wenigen Jahren unter Militärherrschaft, erhielt Myanmar Anfang 2011 als Staatsoberhaupt einen zivilen Präsidenten. Seitdem weht ein freierer Wind in diesem südostasiatischen Staat, der sich nun auch stärker als bisher dem Tourismus öffnet.

Wer Myanmar bereist, findet sich in einem Land wieder, das noch sehr ursprünglich wirkt und kaum vom Tourismus beeinflusst. Zu Zeiten der Militärdiktatur besuchten nur wenige Reisegruppen das Land, das damals touristisch geradezu im Dornröschenschlaf lag. So bewahrte sich Myanmar seine typische südostasiatische Atmosphäre, die dazu unübersehbar vom Buddhismus geprägt ist. Das Militärregime war hart, zerstörte jedoch nicht die typische Alltagskultur und Religion.

Geheimnisvolle Statuen

Behutsamer Wandel

Ein leichter Wandel in der Bevölkerung hin zur westlichen Moderne ist in Großstädten oder Orten mit intensiverem Touristenkontakt zu bemerken. Das ist einerseits ein natürlicher Prozess. Andererseits bleibt zu hoffen, dass die Menschen in Myanmar am modernen Fortschritt teilhaben werden, darüber aber nicht ihre alten Traditionen vergessen. Sie können von den Erfahrungen anderer Urlaubsregionen lernen und so den einzigartigen Charme ihres Landes bewahren.

Abseits gewohnter Pfade

In Myanmar beziehungsweise Birma oder Burma, wie das Land parallel in Deutschland sowie vor allem im angelsächsischen Raum außerdem genannt wird, führen organisierte Rundreisen die Teilnehmer hauptsächlich zu den vier bekannten Orten Yangon (Rangun), Mandalay, Bagan und dem Inle-See.

Mrauk U im Nebel

Fernost fernab vom Touristenrummel

Die Anlage der berühmten Pagoden und Tempel von Bagan fehlt praktisch auf keiner Myanmar-Rundreise und begeistert regelmäßig ihre vielen Besucher. Mrauk U mit seinen rund 150 Tempelruinen ist ein stillerer Ort und ein Paradies für Reisende, die vom Tourismus noch nahezu unberührte Plätze genießen möchten. Auf dem riesigen Gelände ist Raum genug für mehrere Touristengruppen. Wie bei gefragten Sehenswürdigkeiten üblich, bieten in Bagan längst zahlreiche Menschen von Kindern bis Erwachsene Reiseführer-Dienstleistungen oder Souvenirs an. Das ist in der Tempelanlage von Mrauk U nicht der Fall. Hier können Besucher noch allein ihre eigenen Entdeckungen machen. Wünschen sie dazu kundige Begleitung, steht diese natürlich zur Verfügung. Aktiv werden muss hier jedoch der Tourist, sofern er nicht ohnehin als Teilnehmer in einer begleiteten Gruppe einen Reiseleiter als Ansprechpartner hat.

Entlang der Straße

Der Weg ans Ziel

Mrauk U, in nordwestlicher Randlage des Staates Myanmar gelegen und eingebettet in eine stille grüne Umgebung, bedeutet ins Deutsche übersetzt „alte Stadt". Zwischen 1430 und 1784 war Mrauk U Hauptstadt des Rakhine-Königreichs, das damals die Hälfte des Gebietes des heutigen Bangladeschs sowie den Westteil Myanmars beherrschte. Danach verlegten die britischen Kolonialherren den Hauptstadtsitz in das am Golf von Bengalen gelegene Sittwe.

Ankunft in Mrauk U

Schon beim ersten Schritt von Bord wird klar: In Mrauk U geht das Leben seinen eigenen Gang. Gut möglich, dass der frisch angekommene Reisende in ein freundlich lächelndes Gesicht mit blutroten Zähnen blickt: eine natürliche Verfärbung nach dem hier so beliebten Betelnusskauen. Dann nehmen bereits hilfreiche Hände das Gepäck in Empfang und weiter geht es über eine schwankende Bambusrampe zur Rikscha und in ein preiswertes Gästehaus. Impressionen von unterwegs wie singende Mädchen oder die eine dicke Zigarre paffende Großmutter katapultieren den Touristen in eine faszinierende Exotik.

Junger Mönch in einem Tempel

Mrauk U – sehenswertes Kleinod

Wohltuende Ruhe strahlt die Tempelanlage von Mrauk U aus. Immer wieder werden diese Tempelruinen mit jenen von Angkor Wat verglichen. Doch dieser Vergleich hinkt. Das hat nicht nur historische Gründe. Im Gegensatz zu Angkor Wat bilden die Tempelruinen von Mrauk U den Hintergrund für ein lebendiges Alltagsleben. Direkt bei den Tempeln befindet sich auch der Ort Mrauk U mit Wohnhäusern, Geschäften, Handwerksbetrieben, Restaurants und weiteren Einrichtungen. Der kleine Ort und seine Tempelanlage verschmelzen zu einem organischen und sehenswerten Ensemble.

Kerzen erleuchten einen Tunnel

Rast am Shittaung-Tempel

Wer hätte das gedacht? Beim Wandern zwischen alten Pagoden und Tempeln wird doch irgendwann der Wunsch nach einer Pausenstation inklusive kleinem Snack wach! Da ist es gut zu wissen, dass am Shittaung-Tempel – als Einzigem! – ein paar Stände warten mit Essen, Getränken und Souvenirs. Hier zahlen die ausländischen Besucher der Anlage auch die Eintrittsgebühr für sämtliche hiesigen archäologischen Stätten in Höhe von 5 Dollar. Der Shittaung-Tempel selbst ist als Schrein der 80.000 Bildnisse bekannt und von einnehmender Schönheit.

Auf dem Fahrrad durch Mrauk U

Wie an vielen Orten in Myanmar stehen auch in Mrauk U Fahrräder zum Verleih bereit. Vom Fahrradsattel aus lässt sich auf originelle Art der ebenfalls sehenswerte kleine Ort an der Tempelanlage erkunden. Freundliche Kontakte mit Einheimischen werden nicht lange auf sich warten lassen. Kinder und Erwachsene sind neugierig auf die Besucher aus dem fernen Land, die sich ihrerseits über spannende Begegnungen freuen.

Der Shittaung Tempel