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Namibia | Stories

Will ich auch wandern in finsterer Schlucht

Drei Tage Mule Trekking im Fishriver Canyon

Geschrieben von

Johannes Klaus

10.05.2018

Über wenig Stock und viel Stein durch den zweitgrößten Canyon der Welt - dem Fishriver Canyon in Namibia.
Zelten im Fishriver Canyon

F***, ist das kalt.

So habe ich mir das ganz und gar nicht vorgestellt. Bis über die Nase im Schlafsack eingemummelt plus extra Decke drüber, trage ich zudem noch zwei paar Hosen und am Oberkörper drei dicke Pullover und Jacke. Es wurde gerade erst erträglich im Zelt, als der Reißverschluss aufgerissen wird.

Moro Moro!

Ein eisiger Wind weht Marianna und mir entgegen. „Moro Moro! („moin moin“ auf namibisch) Es geht los! Die nächsten Tage werden lekker“, begrüßt uns Manilow im frühen, wirklich sehr frühen Morgengrauen. Wie kann ein Mensch zu dieser Uhrzeit schon so gut gelaunt sein?

Der frühe Vogel...

Morgengrauen – ja, es ist wirklich grausam.

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht, drückt uns Manilow je eine Tasse heißen Kaffee in die Hände. Schlaftrunken und dankbar nehmen wir sie entgegen und genießen die Wärme, die sich zuerst in den Fingern bemerkbar macht und sich dann auf den ganzen Körper ausbreitet. Das ist Zimmerservice! Oder besser gesagt: Zeltservice im Fishriver Canyon Camp im südlichen Namibia.

Es schneit. In Afrika.

Ganz in der Nähe hat es diese Nacht geschneit. Was soll das? Wir sind doch in Afrika! Hier müssten wir doch vor Hitze schwitzen und nicht vor Kälte bibbern und mit den Zähnen klappern. Doch alles Jammern und Klagen nutzt nichts, denn es ist nun mal windig bei zwei Grad Celsius und wir müssen raus – raus in diese eisige Frische des namibischen Winters. Aber der Tag wird ja angeblich lekker.

Die weltweit zweitgrößte Schlucht

Bewegung soll helfen...

... und so marschieren wir los. Maultiertrekking nennt sich das, was wir in den nächsten drei Tagen und vier Nächten vorhaben. Laufen müssen wir aber selbst. An 550 Meter hohen Felswänden vorbei durch die weltweit zweitgrößte Schlucht, dem 160 km langen Fischfluss-Canyon.

Maultiere dienen dem Gepäcktransport

Angeführt von Johannes, einem Nama aus der Region, mit seinen Pferden Cannabis und Fury. Mit im Bunde ist auch unser gut gelaunter Führer Manilow sowie der Koch Matthias, dem man dank seines beachtlichen Bauchumfangs seine Leidenschaft für gutes Essen schon von weitem ansieht. Die Maultiere folgen uns brav. Auf ihren Rücken liegt unser Gepäck.

Atemberaubende Aussicht am nächsten Morgen

Am nächsten Morgen sind wir erleichtert...

...die Nacht im zweiten Camp heil überstanden zu haben – unsere gelben Zelte stehen direkt unter einer massiven Felswand. Und wir sind froh, den ersten Teil der Wanderung bereits hinter uns gebracht zu haben, denn Mariannas kleiner Zeh schmerzt. Ein Kapselriss, werden wir später erfahren. Die täglich rund fünfzehn Kilometer zu Fuß sind dadurch nur bedingt spaßig.

Faszinierende Kontraste im Fishriver Canyon

Aufgeben kommt nicht in Frage

Trotzdem wollen wir die Tour auf keinen Fall abbrechen. Viel zu faszinierend ist diese steinige Berglandschaft, das ausgetrocknete Land, das dieses Jahr beinahe gänzlich vom Regen verschont blieb.

Antilopen machen sich eilig aus dem Staub

Über wenig Stock und viel Stein geht es gestärkt vom Frühstück weiter durch unterschiedliche Schluchten, Abhänge hinauf und wieder runter und über die rundgeschliffenen Steine des trockenen Flussbettes. Aus der Ferne hören wir das Kreischen der Paviane. Antilopen machen sich eilig aus dem Staub. Auch viele andere Tiere sind in dieser kargen Umgebung heimisch. An einer Wasserstelle entdecken wir die Spuren eines Leoparden.

Erholungspause am Fluss

War lekker, der Tag. Hatte Manilow ja gesagt.

Heute nehmen die Maultiere eine andere Route. Als wir am späten Nachmittag das nächste Camp erreichen, wurde unser Gepäck bereits abgeladen und die Tiere stehen im Schatten und futtern Heu. Wir futtern lieber Biltong, den südafrikanischen Snack, dazu gibts Gin Tonic. Matthias bereitet in der Zwischenzeit unser Abendessen vor.