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Namibia | Stories

Vom Sand verweht - die Geisterstadt der Diamantensucher

Die sandige Geisterstadt Kolmannskuppe

Geschrieben von

Johannes Klaus

06.06.2018

Eine verlassene Bahnstation in der Wüste. Häuser die fast alle vom Sand eingenommen sind. Ein mystischer Ort mitten in Namibia. Was ist hier passiert?
Vom Winde verweht

„Das hab ich mir wirklich anders erträumt“, denkt er jeden Morgen, wenn er verschlafen auf seinen Gleisabschnitt schaut. Von Abenteuern und Wohlstand haben sie erzählt, daheim in Thüringen, als er das Angebot bekam, nach Afrika zu gehen. Das Wüstenklima wäre auch gut für seine Gesundheit. Und ist ja auch nicht übel für den Lebenslauf, sagen alle. Jetzt sitzt er hier in der Wüste, und der Sand und die Hitze und die Langeweile zermürben seine Gehirnwindungen.

Sand über Sand

Schatzsuche im Sand

Zacharias, einer seiner Mitarbeiter, klopft an. „Herr Stauch, schauen Sie mal, was ich bei den Gleisen entdeckt habe.“ Er reicht August etwas. Es ist ein kleiner, glitzernder Stein. Ein Diamant. Deutsch-Südwestafrika, Dienstag, 14. April 1908. Heute beginnt der große Diamantenrausch des Landes, das einmal Namibia genannt werden wird.

Boomtown in der Einöde

Ein paar Jahre später ist das Lager der Diamantenschürfer, Kolmannskuppe, nach Pro-Kopf-Einkommen die reichste Stadt Afrikas: Einige hundert Einwohner verfügen mitten in der Wüste über diverse Annehmlichkeiten, wie eine Limonaden- und Eisfabrik, eine Grundschule, Polizei und ein eigenes Postamt, eine Kegelbahn nebst Casino, Turnhalle und Festsaal. Und eine besondere Attraktion: Ein Krankenhaus mit dem ersten Röntgengerät im Süden Afrikas!

Der Sand türmt sich

Bei August wird in harter Währung bezahlt

August Stauch ist nun ein reicher Mann. Längst ist er kein Bahnvorsteher mehr, sondern gemachter Unternehmer. Im Gemischtwarenladen im Ort begleichen die Einwohner mit Karat, nicht mit Deutscher Mark. Doch dann bricht der erste Weltkrieg aus. Schließlich müssen die Deutschen aufgeben. Südafrikanische Unternehmen besetzen die freien Stellen, schürfen weiter, doch bald sind die bekannten Diamantenvorkommen von Kolmannskuppe ausgebeutet. Manche harren aus, doch irgendwann verlässt auch der letzte Einwohner den trostlosen Ort, der einmal so lebendig war.

Es ist vorbei.

Heißer Wüstenwind fegt den feinen Wüstensand vor sich her. Verfängt sich in den Holzschuppen, den ausgeräumten wilhelminischen Villen, den einfachen Arbeiterhäusern. Er kriecht den langen Flur des Krankenhauses entlang ins Wartezimmer. Eine Böe drückt knarzend ein gesprungenes Fenster auf.

Der Sand hat gewonnen.

Eine Bahnstation in der Wüste.

Hier passiert nicht besonders viel. Seit drei Jahren führt die neue Bahnlinie bis an die Atlantikküste nach Lüderitz, und seit einem Jahr ist August hier der Vorsteher. Er und seine Handvoll Mitarbeiter haben vor allem eine Aufgabe: Die Gleise vom Sand zu befreien. Der verdammte Sand. Er wird vom unaufhörlichen Wind immer wieder herangeweht. Sisyphos hatte einen leichteren Job, mit seinem Stein und dem Berg, findet August.