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Ruanda | Stories

Von Affe zu Affe - Ein Verwandtschaftsbesuch

Auge in Auge mit einem Silberrücken-Gorilla

Geschrieben von

Georg Mayerhöfer

08.03.2018

Mit dem Film "Gorillas im Nebel" über die genial Gorilla-Forscherin Dian Fossey und ihre Schützlinge im Bergregenwald von Ruanda fing alles an...
Man kommt den Gorillas auf der Wanderung ungewöhnlich nahe.

Auge in Auge mit einem Silberrücken

Irgendwann, hatte ich mir geschworen, fliegst du nach Ruanda und nimmst an einer Trekking-Tour zu den Berggorillas teil. Jetzt war es endlich soweit, und ich machte gemeinsam mit meiner besten Freundin Christine aus dem Traum Wirklichkeit.

Das Permit als Besuchserlaubnis

Bereits ein Jahr zuvor hatten wir die Reise gebucht und uns um ein Permit bemüht. Ein Permit ist die offizielle staatliche Erlaubnis, in einer auf acht Personen begrenzten Gruppe zu den Berggorillas wandern zu dürfen. Die Begegnungen mit den Silberrücken und ihren Familien sind bei Naturfreunden heiß begehrt, und die Wartelisten vor allem für Touren im regenfreien Sommer von Juli bis September lang. Es empfiehlt sich daher, in jedem Fall ein halbes bis ein Jahr im Voraus zu planen und das Permit zu beantragen.

Tief im Dschungel von Ruanda

Kleine Gruppen, großes Erlebnis.

Bei unserer Ankunft am Sammelpunkt in Kinigi im Volcanoes National Park war es zu unserer Überraschung weniger voll als erwartet. Wir hatten uns für eine Tour im Oktober entschieden, noch einen Monat vor der "kleinen Regenzeit" im November und nach der Hochsaison für Gorilla-Trekking im Sommer. Unser einheimischer Guide stellte eine Gruppe aus acht Leuten zusammen. Die Guides sind durch Funk immer auf dem Laufenden, wo sich welche Gorilla-Gruppe gerade befindet.

Gorilladame mit Jungem

Zur richtigen Zeit

Außer meiner Freundin und mir gehörten ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine allein reisende Australierin, zwei schwedische Biologiestudenten und ein Journalist aus Brasilien zu der Gruppe. Die Spannung war bei allen riesengroß, das war deutlich zu merken, und auch meine Vorfreude auf das Erlebnis lässt sich kaum beschreiben.

Früh am Morgen gegen 7 Uhr Ortszeit brachen wir auf, vor uns 1 bis 2 Stunden Fußmarsch. Berggorillas sind vor allem am Vormittag aktiv, und später würden wir die Affen kaum mehr zu Gesicht bekommen. Schon nach kurzer Zeit ging es steil bergan, denn die Vulkanberge von Ruanda ragen bis mehr als 3.500 Meter hoch in den afrikanischen Himmel. Eine gute Wanderkondition sollten die Tour-Teilnehmer schon mitbringen.

Gorillas in ihrer natürlichen Umgebung - faszinierend zu beobachten.

Aufmerksam haut unser Guide besonders hartnäckig über den Pfad wachsenden Bambus geschickt mit der Machete beiseite! Erwartungsvoll kämpft sich unser bunt gemischtes Trüppchen tapfer über den rutschigen, von Wurzeln und Blattwerk bedeckten Trampelpfad.

Intensive Momente im Angesicht eines Silberrückens

Ohne die passende Kleidung geht nichts

Nur gut, dass wir uns vorher umfassend informiert und die richtige Kleidung ausgewählt hatten: Wichtig sind vor allem mindestens knöchelhohe und gut eingelaufene Wanderschuhe, lange Hosen und ein nicht zu enges Oberteil mit langen Ärmeln. Eine warme Jacke gehört unbedingt in den nicht zu schweren Rucksack, denn mit ansteigender Höhe kann es urplötzlich empfindlich kühl werden. Auf keinen Fall vergessen: eine Flasche Wasser und leichte Snacks wie Energieriegel, denn "einkehren" kann man bei dieser besonderen Bergwanderung durch unberührte Natur selbstverständlich nicht.

Die Hand eines Gorillas

Plötzlich und vollkommen unerwartet...

... flitzt auf einmal ein mächtiger Silberrücken direkt vor unserer Nase durch das dichte Grün. Wir halten den Atem an, und jedes Gespräch verstummt schlagartig. Alle Blicke richten sich auf unseren Guide, der uns mit knappen Gesten Anweisungen erteilt.

Ausdrucksvoll und bewegend. Die Augen der geheimnisvollen Riesen.

Und plötzlich stehen sie vor dir

Auf mehr als 5 Meter dürfen wir uns den Tieren nicht nähern, hastige Bewegungen sind ebenso zu vermeiden wie laute Geräusche. Wo sich der Silberrücken aufhält, ist sicher seine Familie nicht weit. Und da sind sie! Wir entdecken uns ignorierende weibliche Tiere ebenso wie neugierige Gorilla-Teenies, und nur wenige Meter von uns entfernt kugeln sich die Babys als winzige dunkle Fellknäuel mit riesigen Augen durch das grüne Blattwerk. Ich bin gerührt und mir kommen die Tränen, so überwältigt bin ich.

Respekt auf beiden Seiten

Christine drückt kurz meinen Arm...

... und ich spüre, ihr geht es ähnlich. Abends, bei einem kühlen Drink in unserer gemütlichen Lodge mit Blick auf die verwunschenen Vulkan-Berge, reden wir noch lange über diese denkwürdige Begegnung. Vergessen werden wir den Anblick der Berggorillas sicher ein Leben lang nicht.