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Seychellen | Stories

Schmeiß die Zeit über Bord: Inselhopping im Paradies

Inselhopping auf den Seychellen

Geschrieben von

Christoph Karrasch

27.08.2018

Mahé, Praslin, La Digue: Wer versucht, unter den drei Hauptinseln der Seychellen seinen Liebling zu ermitteln, wird womöglich scheitern. Zu unterschiedlich sind sie, allesamt zu traumhaft. Erkunden lässt sich das Dreigestirn auf einem Tagesausflug über die Wellen des Indischen Ozeans.
Traumstrände auf den Seychellen laden zum Träumen ein

Bereits um sieben Uhr morgens herrscht großes Gewusel am Inter Island Terminal auf Mahé. Rupien klimpern an den Ticketschaltern, Fahrkarten werden abgeknipst, und der Kampf um die besten Plätze auf dem Oberdeck der »Cat Cocos«-Fähre beginnt. Ein Guide mit Shorts und Sonnenbrille ist bemüht, seine Touristengruppe zusammenzuhalten. Die Aufregung ist groß, schließlich geht es an diesem Tag über den Indischen Ozean zu den anderen Prachtinseln der Seychellen. Dazwischen sitzt mit stoischer Ruhe ein Dutzend Einheimischer. Mit Stöpseln im Ohr oder einem Buch in der Hand versuchen sie, sich nichts anmerken zu lassen. Für sie ist es ein ganz normaler Tag auf dem Weg zur Arbeit – an einem Ort, den wir salopp als Paradies bezeichnen.

Wahrscheinlich hat die Reisegruppe in den letzten Tagen bereits die Hauptinsel Mahé erkundet. Sie war oben bei den süß duftenden Zimtbäumen, um die Aussicht vom Holzpavillon der alten Mission Lodge zu genießen. Sie hat wahrscheinlich die kreolische Küche probiert, Banane in Kokossoße und exotische Fruchtcocktails aus Guave und Sternenfrucht. Und vielleicht waren die Touristen auch zu Besuch in der lebendigen Markthalle von Victoria, dem wohl einzigen Ort auf den Seychellen, an dem die Einheimischen beim Feilschen so etwas Ähnliches wie Hektik andeuten.

Anse Lazio auf Praslin

Baden an einem der bekanntesten Strände der Welt

Viele Seychellois sagen, das Leben in der kleinsten Hauptstadt Afrikas – mit gerade einmal 27.000 Einwohnern – sei in den letzten Jahren zunehmend stressiger geworden. »Früher reichte uns eine Ampel, um den Straßenverkehr zu regeln – inzwischen mussten wir eine zweite installieren.« Während Paul diese Anekdote an Bord der »Cat Cocos« erzählt, kann er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Ja, sie sind sich ihrer inneren Ruhe bewusst, spielen mit ihr. Einige Seychellois besitzen angeblich nicht mal eine Uhr. Dass die Touristen hier ein bisschen Leben ins Spiel bringen, findet Paul gut. Der 38-jährige ist einer der Tourguides auf der Fähre, die nach einer guten Stunde Kurs auf La Digue nimmt. Mit der Anse Source d’Argent beherbergt La Digue einen der bekanntesten Strände der Welt. Das Zusammenspiel aus kristallklarem Wasser, Puderzuckersand und den einzigartigen Granitsteinen hat die Seychellen berühmt gemacht.

Die berühmten Granitfelsen auf La Digue

Zugegeben: Seine Berühmtheit macht den Strand auch zu einem der lebhaftesten auf den Seychellen. Doch dank der naturgegebenen Struktur mit mehreren kleinen Buchten, die durch Granitfelsen voneinander abgeschirmt sind, findet sich immer noch ein schattiges Plätzchen, das man fast für sich allein hat – wären da nicht die Riesenschildkröten, die es sich zur Mittagszeit im Schatten der mächtigen Brotfruchtbäume gemütlich machen.

Riesenschildkröten auf La Digue

Auch auf der Nachbarinsel Praslin, nur rund 15 Fährminuten von La Digue entfernt, sind Riesen zu Hause. Im wild wuchernden Vallée de Mai, das zum Weltnaturerbe der UNESCO zählt, wächst die größte Kokosnuss der Welt. Coco de Mer ist eine von zahlreichen endemischen Pflanzenarten, die nur auf den Seychellen zu finden sind. Sie hat einen Durchmesser von 30 Zentimetern und kann bis zu 40 Kilogramm schwer werden.

Anse Source d'Argent auf La Digue

An der Anse Lazio, einem der Bilderbuchstrände Praslins, neigt sich der Nachmittag langsam dem Ende entgegen. Noch eine Stunde bis zur Abfahrt der letzten Fähre zurück nach Mahé. Kein Touristengewusel, keine Aufregung. Die Kellner des kleinen Strandrestaurants bedienen eine Handvoll Gäste, setzen sich zu ihnen, halten ein Pläuschchen. Und auch Simon hat wahrscheinlich schon anstrengendere Arbeitstage erlebt. Er sitzt auf seinem roten Hochstuhl und schaut durchs Fernglas. Baywatch auf entspannte Art und Weise. Draußen im seichten Ozeanwasser schwimmen vielleicht zehn Köpfe, auf die der junge Rettungsschwimmer ein Auge hat. Auf die Frage, um wie viel Uhr er Feierabend hat, antwortet Simon: »Das weiß ich nicht. Ich habe keine Uhr bei mir. Ich sitze hier, bis die Sonne untergeht.« Das sagt er so, als wäre es das Normalste auf der Welt. Und wahrscheinlich ist es das auch – ein ganz normaler Arbeitstag an einem Ort, den wir salopp als Paradies bezeichnen.